Das Glück kurz hinter Graceland

Roman von Kim Wright, erschienen März 2018 im Ullstein Verlag, Paperback/Taschenbuch, 368 Seiten, ISBN 978-3-548-28912-0

 

 

Die amerikanische Autorin, welche mit ihrer Familie in North Carolina lebt und für Lifestyle-Magazine über Reisen, Wein und Restaurants schreibt, hat ihren neusten Roman in ihrer Nachbarschaft – nämlich nach South Carolina – angesiedelt. Cory Beth, eine junge Bluessängerin, hat vor wenigen Monaten ihre Mutter verloren. Zu ihrem Vater hat sie sporadischen Kontakt, wobei sie sich schon seit langem sicher ist, dass er nicht ihr leiblicher Vater sein kann.

 

Durch einen Zufall findet sie auf dem Familienanwesen am See ein altes Auto – einen Blackhawk, das Lieblingsauto von Elvis Presley... und schon zählt Cory 1+1 zusammen: sie ist die leibliche Tochter des „Kings of Rock`n Roll“! Denn sie weiß von ihrer Mutter, dass diese vor der Geburt ihrer Tochter Backroundsängerin und mit Elvis auf Tour war.

 

Aufgeregt entschließt sie sich, mit dem alten Wagen nach Graceland zu fahren – und zwar auf genau dem Weg, den ihre Mutter damals „on the way back home“ genommen hat. Gesagt, getan und nun beginnt ein spannender Roadmovie, der Cory Beth immer wieder an ihre Grenzen bringt und ihre Vorstellungen vom Leben der Mutter verändert. Sie lernt alte Weggefährten von „Honey“ kennen. Und sie lernt sich ein Stück weit neu kennen. Ein Trip der Selbstfindung, quasi.

 

Die fiktive Geschichte rund um Honey & ihre Wegbegleiter, Graceland und die Route nach Hause ist gespickt von Bruchstücken aus diversen Biografien, die über Elvis Presley geschrieben wurden. So nimmt der Roman fast authentische Züge an und macht Freude zu lesen. Da ich als Jugendliche Elvis-Fan war und viele Bücher über den „King“ gelesen habe, konnte ich doch etliche Passagen wiedererkennen – bis hin zum Tod des Sängers. Gekonnt verknüpft die Autorin in einer locker-unterhaltsamen Sprache ihre Romanideen mit den tatsächlichen Geschehnissen – ich mag das sehr!

 

Auch zeigt Kim Wright eine gute Beobachtungsgabe – hier kommt ihr sicherlich ihre Erfahrung als Restaurant- & Reiseautorin zu Gute – und beschreibt die Personen und Lokations in ihrem Roman so gut, dass ich mich fast in das „Bay Restaurant“ hineinfühlte oder gegenübersitzend von David „Pastor“ Beth. Dieser gekonnte Schreibstil wird auch noch verstärkt durch zwei Erzählstränge, denn wir erleben nicht nur die Reise Cory Beths (im Jahre 2015), sondern auch immer mehr von Honeys Geschichte (im Jahre 1977) – ich mag solche zweigeteilten Romane sehr, die am Ende zu einem zusammenfinden.

 

Alles in allem hat mich „das Glück kurz hinter Graceland“ sehr gut unterhalten. Ich habe es gerne in einem Rutsch durchgelesen und habe mit Wehmut das Buch geschlossen, denn sowohl der Blackhawk als auch Cory waren am Buchende an ihre Ziel angekommen. Durch so manche Passage habe ich mich selbst in meine Jugendzeit zurückgesetzt gefühlt und konnte Cory immer mehr verstehen. Wer einen unterhaltsamen, modernen Roman mit musikalisch-historischen Backround und ein bisschen Selbstfindung mag, dem kann ich dieses Buch ans Herz legen.

 

 

 

 

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© Kathrin Nievelstein - Hinweis: Bei allen Berichten handelt es sich um die subjektive Meinung der Autorin. Diese stellen keine objektive Berichterstattung dar. Daher ohne Gewähr.