Der Ruf der Bäume

Roman von Tracy Chevalier, erschienen Januar 2017 im Albrecht Knaus Verlag erschienen, gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 320 Seiten, ISBN 978-3-813507232

 

Dieser Roman nimmt uns mit in eine amerikanische Familie im 19. Jahrhundert. Wir erfahren die Anfänge der Familie James und Sadie Goodenough, wie sie das elterliche Land nach der Heirat verlassen und in das Ungewisse – den Westen – ziehen. Bald landen sie in einem Sumpfgebiet, dem „Black Swamp“ in Ohio und bauen sich dort eher unfreiwillig – weil sie nicht mehr weiterkommen – eine Farm auf. James Goodenough macht es sich zur Aufgabe, in dem unwirtlichen Gebiet eine Apfelplantage mit Most- und besonderen Essäpfeln zu erstellen, seine Frau Sadie spricht nach der Geburt von mehreren Kindern und den Verlust von 5 durch das Sumpffieber mehr und mehr dem selbstgebrauten Apfelalkohol zu... was letztendlich der Grund ist, warum sich die Familie immer mehr entzweit und eines Tages die Eltern tragisch ums Leben kommen.

 

Von den Kindern erfahren wir eher beiläufig mehr – außer von Robert, der nach dem tragischen Vorfall von Zuhause flüchtet und so bereits in jungen Jahren viele neue Erfahrungen bei den Goldgräbern und letztendlich bei einem Baumhändler landet, dort viel Neues über Bäume erfährt und die neu entdeckten Mammutbäume lieben lernt... und von Martha, dem fleissigen grauen Mäuschen, die ihrem Bruder Robert sehr nahe steht, nach dem Tod der Eltern auf dem benachbarten Hof als Hilfskraft und Tochterersatz eine neue Bleibe findet. Diese beiden Geschwister haben schon auf dem elterlichen Hof eine besondere Bindung zueinander, die zum Schluss des Buches auch wieder zusammen finden.

 

 

 

 

 

Der Buchaufbau irritiert beim ersten Lesen sehr, denn zuerst erfahren wir von dem Leben der Eltern James und Sadie mit ihren Kindern, dann gibt es einen Briefteil mit von Robert immer an Neujahr geschriebenen Briefen an die zuhause Gebliebenen, bevor es mit einem Geschichtsteil – der wieder zurückliegt vor der Flucht Roberts – weitergeht, um dann wieder mit einem Briefteil – dieses Mal von Martha an ihren Bruder Robert – wieder den Stil zu ändern... abschließend befinden wir uns wieder im Geschichtsteil, wo sich alle Erzählstränge zusammenfinden und enden. Dies Hin- und Herspringen empfand ich beim ersten Lesen als anstrengend und so habe das Buch immer nur etappenweise gelesen. Aber nach der letzten Seite wurde mir klar, dass der anfänglich empfundene Bruch in der Geschichte gar keiner ist, sondern die Briefe von der Sichtweise Roberts auf die Sichtweise Marthas umleiten und den Leser so spannend weiterführen.

 

Sprachlich gefällt mir das Buch wirklich sehr. Tracy Chevalier schreibt sehr anschaulich und modern, ohne aber flapsig zu sein, sondern mit den notwendigen Ernst, den die Geschichte der Siedler, der Goldgräber und die Familiengeschichte der Goodenoughs im Besonderen verlangt. Gerade bei den Mammutbäumen hatte ich sofort die Bilder einer Dokumentation über diese Bäume vor Augen und konnte quasi mit den Charakteren mitleben. Darum empfand ich das Ende war als gelungen und abgeschlossen, hätte aber gerne noch gewußt, wie es mit Robert weitergeht... ja, es ist ein gutes Zeichen, wenn man das Buch mit einem gewissen Bedauern schließt, dass die Geschichte schon zu Ende ist.

 

Für mich ist dieser Roman wieder eine Vorlage für einen Kinofilm... genug an historische Fakten angelehnt, um glaubwürdig zu sein und mit genug Fantasie gespickt, um spannend und unterhaltsam zu sein.

  

 

 

 

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© Kathrin Nievelstein - Hinweis: Bei allen Berichten handelt es sich um die subjektive Meinung der Autorin. Diese stellen keine objektive Berichterstattung dar. Daher ohne Gewähr.