Die Inselfrauen

von Sylvia Lott, erschienen März 2016 im Blanvalet Verlag, Taschenbuch, 480 Seiten, ISBN 978-3-7341-0059-8

 

„Die Inselfrauen“ ist Sylvia Lotts neuster Roman, den die gebürtige Ostfriesin auf ihre Lieblingsinsel Borkum angesiedelt hat. Borkum – damit verbinde ich selbst wunderschöne Tage, aber auch stürmische Zeiten... und habe daher besonders neugierig diesen Roman gelesen. Und ich möchte euch sagen: ich wurde nicht enttäuscht!

 

Die Autorin nimmt einen mit einem wunderbaren Schreibstil zu 3 Frauencharakteren mit, die für 3 Generationen stehen: die etwas kantige Theda, welche als Witwe eine Pension betreibt, die sie aber verkaufen will und sich bei ihren Kindern auf dem Festland zur Ruhe setzen möchte. Und wir lernen Nina kennen, einmal als „junges Ding“ in den Sechzigern, welche in den Ferien in Theda`s Pension arbeitet, dabei einen faszinierenden, musizierenden Fischersjungen kennen und lieben lernt; und ein weiteres Mal als „gestandene Frau“von heute, welche sich im In- und Ausland als Journalistin einen Namen gemacht hat, ihren Beruf liebt... bis sie von einer schwerwiegenden Krankheit ausgebremst wird. Sie sucht nun Erholung auf Borkum – in Theda`s Pension und trifft dort ihre Nichte Rosalie wieder, welche während ihres Studiums auf Borkum lebt und Tant`Theda in der Pension hilft.

 

Ja... und dann haben wir die Männer in der Geschichte: einmal ein immer gern gesehener Pensionsgast namens Siegfried Müller-Marienthal (erinnert nur mich das an Loriot?), ebenfalls verwitwet wie Theda, mit dem diese sich eng befreundet; besagter Fischersjunge aus Ninas Jugendzeit, Klaar Terling; Rosalies Verlobter Fabian, der beruflich Karriere in Asien macht und dazu der junger Musiker David, ein One-Night-Stand... und weitere liebenswerte Charaktere, die das Buch richtig rund machen... obwohl: richtig komplett wird es erst durch Rosalies Recherchen in der Inselgeschichte, durch welche wir viele kleinere Mythen und größere Lebensweisheiten erfahren.

 

Ja, das klingt erst mal recht zerfahren... und ich brauchte auch erst mal eine Zeit, in dieses Buch mit seinen drei Ebenen hineinzufinden. Aber es sei gesagt: überlest bitte kein Kapitel – alle tragen zu dem wunderbaren Gesamtbild dieses Romans bei! Und wer schon mal auf einer kleinen Nordseeinsel war, die sturmerprobten Häuser kennengelernt, den Seegeruch in der Nase und den Sand bzw. das Watt unter den Gummistiefeln hatte, wird bestimmt das ein oder andere Bekannte in diesem Buch finden.

 

Ich mag es! Es ist nicht so vorhersehbar, was letztendlich passiert... ok, das Ende um die Pension ist absehbar ;) Aber wie sich die 3 Inselfrauen entwickeln, sich ihre Geschichte ver- und wieder entwirrt, welche Rolle die Musik darin spielt... all das macht – verbunden mit einer zauberhaften, mitreißenden und fantasiefördernden Sprache – diesen Roman zu einem meiner Lieblinge in diesem Jahr. Ja, etwas von „Message in a bottle“ und „dann ist da noch ein Walzer, dessen Melodie eine Liebe beschwört, die nie verging...“, das hat der Roman und wer das mag, ist hier genau richtig!

 

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© Kathrin Nievelstein - Hinweis: Bei allen Berichten handelt es sich um die subjektive Meinung der Autorin. Diese stellen keine objektive Berichterstattung dar. Daher ohne Gewähr.