Landliebe

Roman von Jana Lukas, erschienen Mai 2017 im Heyne Verlag, Taschenbuch, 320 Seiten, ISBN 978-3-453-42195-0

 

Schaut man mal so über den Neuerscheinungs-Tisch in unserer örtlichen Buchhandlung, dann fällt dieser Roman eigentlich gar nicht so auf: das bunte, gezeichnete Blumencover erinnert mich ein wenig an eine hübsche Tapete oder ein Tagebuch-Einband und zeigt die derzeit beliebte Cover“mode“ im romantisch-blumigen Stil. Aber es lohnt sich, das Buch in die Hand zu nehmen! Denn mal davon abgesehen, dass die Heyne-Bücher sehr gut gebunden sind (nur selten habe ich einen Buchrücken-Knick nach dem Lesen), versteckt sich hinter der Klappenbroschur ein leckeres Creme-Rezept, welches ich so ähnlich tatsächlich oft am Rhein gegessen habe. Schade nur, dass man am Ende des Buches die zweite Klappe nicht für ein weiteres Rezept genutzt hat... ich kann mich gut erinnern, dass bei uns die Rieslingcreme gerne mit frischen Dampfnudeln serviert wurde ;)

 

Nun aber zum eigentlichen Roman: der Titel „Landliebe“ trifft es doppelt auf den Punkt. Der Winzer Tom wird von seinem Bruder für die TV-Sendung „Landliebe“ angemeldet. Der Hof steht kurz vor dem Ruin und man braucht dringend die Gage, welche man durch die Teilnahme bekommt, um den Hof und das dazugehörige Gasthaus zu retten. Ellie wird von ihrer Freundin quasi mit der Teilnahme überrumpelt, befindet sich aber in einer so misslichen finanziellen Lage, dass sie einwilligt, als Elisabeth aus München für 4 Wochen auf den Winzerhof an die Mosel zu ziehen. Dass sie dabei quasi täglich verkleidet in hautengen Dirndl und bis unter die Haarspitzen geschminkt nach Drehbuch agieren muss, wird ihr erst bewußt, als sie den Vertrag schon unterschrieben hat. So beginnen also beide Hauptpersonen eine Reise durch die TV-Welt mit hysterischen Aufnahmeleitern, aufdringlichen Kameras und künstlichen Drehbuchanweisungen auf der einen Seite und das zaghafte Kennenlernen hinter den Kulissen, mit kleinen Einblicken in die reale Welt – vor allem durch den Bruder und seine hochschwangere Frau – des Weinguts. Und da sich auch in dieser realen Welt eine Liebe zu „Land & Leute“ entwickelt, trifft der Buchtitel hier wieder den Nagel auf den Kopf.

 

Die Geschichte ist unterhaltsam und kurzweilig. Der Schreibstil ist angenehm und macht es mir leicht, Bilder im Kopf entstehen zu lassen. Ich sehe die Weinberge an den Hängen vor mir, ebenso das Weingut und das Gasthaus im Ort. Traktoren, die auf den schmalen Wegen mit wippenden Fahrersitzen entlangbrausen, haben mir ein Lächeln entlockt, denn ich kann mich noch zu gut an die Fahrt mit solchen Altertümchen als Kind erinnern. Ja, der Roman nimmt mich mit in meine Kindheit, die Zeit der Weinlese...

 

Angenehm finde ich auch den Bruch, den es zu Anfang eines jeden Kapitels gibt: Das Schriftbild verändert sich und es gibt einen kurzen Ausschnitt aus einer Regieanweisung bzw. einer Szene, die gerade aufgenommen wird. So wird man immer wieder auf das Thema „TV-Show“ hingewiesen und startet dann in die Geschichte bzw. das Kapitel. Übrigens zeigt die Beschreibung des TV-Teams mit einem Augenzwinkern, dass in solchen Reality-Shows gar nicht so viel „real“ ist... eine gute Idee, hieraus ein Buch zu machen!

 

Meines Erachtens ist es der Autorin (welche unter anderen Pseudonymen schon Fantasiegeschichten und Polizeithriller geschrieben hat) gelungen, einen unterhaltsamen Roman zu schreiben, den man in einem Rutsch durchlesen kann. Für mich ist „Landliebe“ ein ideales Buch für den Urlaub oder den Baggersee, denn die Geschichte bringt einen zum Schmunzeln, zum Mitfiebern (wenn man mal wieder Tom aufrütteln oder Ellie ausbremsen möchte) und hinterlässt ein gut(gelaunt)es Gefühl nach der letzten Seite. Danke Jana Lukas!

 

 

 

 

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© Kathrin Nievelstein - Hinweis: Bei allen Berichten handelt es sich um die subjektive Meinung der Autorin. Diese stellen keine objektive Berichterstattung dar. Daher ohne Gewähr.