"Mit Mutter ans Meer" von Edith Einhart

„Mit Mutter ans Meer“ ist ein Roman von Edith Einhart, der auf eine wahre Reise der Autorin mit ihrer Mutter basiert. Das broschierte Buch ist 2014 im Diana Verlag (ISBN 978-3-453-29153-9) erschienen und hat 240 Seiten. Im Februar 2016 ist der Roman in Neuauflage wiederum im Diana Verlag (978-3453357907 ) mit neuem Cover erschienen. Ich habe die Version von 2014 als Rezensionsexemplar kostenlos erhalten, vielen Dank.

 

Edith Einhart, geboren 1969 in München, absolvierte nach ihrem Germanistikstudium eine Ausbildung zur Journalistin in Hamburg im Axel Springer Verlag. Sie arbeitet zur Zeit als Redakteurin einer Frauenzeitschrift und veröffentlicht Romane und Sachbücher.

 

Das Buch nimmt die LeserInnen mit auf eine 8-tätige Ostseereise von „Mädschi“ Edith und ihrer Mutter Heidi. Acht Tage voller neuer und typischer Touristenerlebnisse (z. B. der Besuch der Strandbar) und Rückblicke in die Vergangenheit (z. B. der Besuch bei Tante Lotte); ein Urlaub, der die Sichtweise der Tochter auf die Mutter im Laufe der Zeit ändert bzw. korrigiert und uns Leser bei dieser Wandlung mitnimmt. Dabei reflektiert Edith auch immer wieder ihr Verhältnis mit Freunden, Exfreunden und ihren Freundinnen und vergleicht deren Erfahrungen mit den eigenen. Eine Wendung im Buch gibt es während des Besuchs bei Tante Lotte – ein Besuch, dem Edith anfänglich als „Mama abladen bei Verwandten und es sich selbst dann mit einem Buch am Strand gemütlich machen“ mit Freude entgegensieht. Doch es wird alles anders und spätestens hier beginnt die Tochter, ihre Mutter in einem Licht zu sehen.

 

Der Untertitel „Für alle Frauen, die ihre Mutter lieben und sie dennoch oft zum Mond schießen könnten“ hat mich neugierig gemacht. Der moderne Schreibstil und ein paar eingestreute aktuelle Fakten (Miracoli, Jamie Oliver etc.) nehmen einen sofort mit ins Geschehen. Auch mit dem ein oder anderen Dialog kann ich mich als Leserin identifizieren, auch wenn Ediths Mutter doch so anders ist als meine – viele Konflikte ähnlich sich schon aufgrund des Alters bzw. der Geschichte der beiden Protagonisten und dem Leserkreis. Interessant ist die Wandlung vom anfänglich „als Flucht“ angenommenen Urlaubs bis zum Ende hin als ein „Durchatmen mit Wiederholungscharakter“. Dazwischen liegen viele selbstreflektierende Gespräche miteinander, aneinandervorbei und übereinander – hier zeigt sich auch die Journalistin, wie ich finde.

 

Das Buch habe ich flüssig lesen können. Allerdings war ich das ein oder andere Mal doch versucht, etwas „fliegender“ über das Kapitel hinwegzulesen. So habe ich quasi manchmal selektiv gelesen, was mich interessiert hat – ob das im Sinne der Autorin ist? Da die Kapitel meines Erachtens nicht aufeinander aufgebaut haben, sondern gut für sich stehen können, habe ich nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Die Kurzinhaltsangabe zu jedem Kapitelanfang hätte es meiner Meinung nach auch nicht gebraucht – es hat eigentlich das selektive Lesen sogar noch unterstützt, weil es entweder meine Neugier geweckt oder eher ein gelassenenes „naja“ in mir hervorgebracht hat.

 

Im Nachhinein hat mich das Buch aber auch überrascht: bin ich doch aufgrund des Titels davon ausgegangen, „nur“ eine Entwicklung bei Tochter Edith mitzuerleben, sind aber auch die (Gefühls-) Veränderungen von Mutter Heidi in den Mittelpunkt geraten. Das hat mir gut gefallen.

 

Alles in allem ist das Buch eine nette Sommerlektüre für den Urlaub, da man jederzeit unterbrechen und zu einem anderen Zeitpunkt weiterlesen kann, ohne den Faden zu verlieren. Da es auch keine wirklich schwere Kost ist, den Leser zum Schmunzeln bringt (nach dem Motto „ach, das hätte meine Mutter jetzt auch sagen/tun können“), ich mir aber ehrlich gesagt noch mehr Tiefe aufgrund des Titels und Untertitels vorgestellt habe, bekommt der Roman von mir nicht die volle Punktzahl.

 

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© Kathrin Nievelstein - Hinweis: Bei allen Berichten handelt es sich um die subjektive Meinung der Autorin. Diese stellen keine objektive Berichterstattung dar. Daher ohne Gewähr.