Unsere Jahre in Miller's Valley

Roman von Anna Quindlen, erschienen August 2017 im DVA Verlag, Festeinband, 320 Seiten, ISBN 978-3-421-04758-8

 

Die Autorin Anna Quindlen gehört in den USA zu den ganz großen Autorinnen, die es nicht nur in die Bestsellerränge der Romanlisten, sondern auch der Sachbuchlisten schafft. Und diese Leidenschaft für zwei unterschiedliche Sparten merkt man den Romanen auch an. Hat mich der Vorgänger „Ein Jahr auf dem Land“ noch nicht so begeistern können, hat mich der neue Roman „Unsere Jahre in Miller`s Valley“ deutlich mehr fasziniert! Wobei nicht auf den ersten Blick... ich musste erst ein paar Nächte darüber schlafen und mir Gedanken zu dieser Rezension machen, bis mir so besondere Feinheiten und Raffinessen aufgefallen sind, die das Buch wirklich interessant machen ;)

 

Die Miller-Farm steht am tiefsten Punkt von Miller`s Valley und befindet sich seit Generationen in Familienbesitz. Mimi, die wir als 11-Jährige kennenlernen und bis zum Seniorenalter begleiten dürfen, lebt auf dieser Farm mit ihren Eltern und zwei Brüdern... und mit ihrer Tante, die ein kleines Haus am Anfang der Auffahrt bewohnt.

 

Wir erleben im Laufe des Buchs das nach außen scheinbar eintönige Leben von Farmern und deren Nachbarn; Mimi ist mit LaRhonda, der Tochter des Dinerbesitzers befreundet, ist außerdem gerne mit Donald zusammen, einem Jungen, der mal mehr, mal weniger lang bei seinen Großeltern lebt. Sie erlebt, wie der große Bruder als Jahrgangsbester an die Uni geht und später weit weg eine Familie gründet und Tommy, der Mittlere, sich freiwillig bei der Army meldet, an den Kriegsgeschehen erbricht und zu einem „amerikanischen Kriegsveteranen –a la 'Geboren am 4. Juli' wird. Mimi steht ihrer Mutter bei, die nachts als Krankenschwester arbeitet und tagsüber den Haushalt macht – auch als Mimis Vater einen Schlaganfall erleidet. Sie versucht zwischen ihrer Tante Ruth und ihrer Mutter zu vermitteln und freundet sich mit Callie an, die einen Sohn von Tommy bekommt. Ja, das Buch besteht aus vielen kleinen und großen alltäglichen Geschichten – und über allem schwebt die Tatsache wie ein Damokles-Schwert, dass es dieses Tal bald nicht mehr geben wird. Es wird, wenn es nach dem Willen der Regierung geht, geflutet und zu einem Naherholungsgebiet umgebaut werden.

 

Mimi`s Leben ist, je älter sie wird, immer mehr mit diesem Fluten des Tales verknüpft, sei es durch ihren Freund Steven, sei es durch ihr Studium, sei es durch ihre Familie... und letztendlich bleibt diese Verknüpfung bis an ihr Lebensende bestehen.

 

Anna Quindlen hat eine angenehme, bildhafte, aber auch anspruchsvolle Sprache, die durch Tanja Handels gut ins Deutsche übersetzt wurde. Und dennoch wirkt der Anfang sehr schwerfällig auf mich – ähnlich ging es mir übrigens schon bei dem Vorgängerroman. Die Personen klingen interessant und teilweise versucht man sich ihnen zu nähern... aber so richtig warm werde ich mit den Beteiligten leider nicht. Jedenfalls nicht auf den ersten Blick! Als ich nochmals über das Buch nachgedacht habe, fällt mir erst auf, dass sich die Geschichte in der Familie wiederholt hat und so manche „Leiche im Keller bzw. auf dem Dachboden“ Symbolcharakter in Mimi`s Leben hat. Geschickt verstrickt die Autorin Vergessenes mit Alltäglichem und das macht diesen Roman wirklich lesenswert!

 

Daher habe ich mir das Buch ein zweites Mal aus dem Regal geholt und lese es – im Wissen, wie es ausgeht – mit anderen Augen. Dieses Mal möchte ich keine Passagen überfliegen und so kann ich auch besser in die Geschichte eintauchen. In mir entstehen Bilder von amerianischen Familienfilmen im Kopf, Farmhäusern aus Holz – ein bisschen 'Meine kleine Farm' und ich kann mir tatsächlich beim zweiten Lesen gut vorstellen, dass dieser Roman wieder eine Filmvorlage werden könnte – vielleicht mit Meryl Streep als Miriam Miller ;)

 

Auf jeden Fall kann ich allen, die sich mehr als nur von einer Story berieseln lassen wollen, die gewillt sind, einen amerikanischen Roman auch mal in Etappen lesen zu wollen – mit Innehalten und Reflektion – zu diesem Buch raten. Es gibt deutlich leichtere Kost, aber das ist auch gut so ;)

 

 

 

 

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© Kathrin Nievelstein - Hinweis: Bei allen Berichten handelt es sich um die subjektive Meinung der Autorin. Diese stellen keine objektive Berichterstattung dar. Daher ohne Gewähr.