Wenn das Leben Loopings dreht

von Theresia Graw, erschienen November 2016 im Blanvalet Verlag, Taschenbuch, 416 Seiten, ISBN 978-3-7341-0246-2

 

 

Hausfrau mit Eigenheim in einem angesehenen Münchner Stadtteil, Mutter von einem Teenager & Twen in der Findungsphase, Ehefrau eines vielbeschäftigten Amöbenforschers, freischaffende Texterin, Hundespaziergängerin von Mr. Spock.... und demnächst 50 Jahre alt! Das ist Franziska, die Protagonistin des neuen Romans von Theresia Graw.

 

Nun, ihr Leben klingt recht unspektakulär – ist es auch! Aber als der erste mit grüner Tinte geschriebene Brief aus Hongkong – gerichtet an eine Laura Caspari – in Franszikas Briefkasten liegt, kommt Schwung ins Münchner Vorstadtleben. Denn es bleibt nicht nur bei dem einen Brief vom mysteriösen Alex. Nachdem Franszika die Briefe mit anfänglichen Gewissensbissen, die immer mehr in Begeisterung und Vorfreude auf die nächste Brieffortsetzung gipfeln, liest, fällt sie eine folgenschwere Entscheidung.

 

Das Leben der Protagonistin wird immer turbulenter, mit überraschenden Wendungen und gekonnten Täuschungen – nicht nur von der Hauptdarstellerin selbst, sondern auch von der Autorin, die uns gekonnt auf die falsche Fährte führt, um uns LeserInnen dann mit einem Augenzwinkern auf eine neue Spur zu setzen – das gefällt mir! Denn so wird aus dem scheinbar „Allerwelts“-Liebesroman ein wirklich interessantes Buch, welches ich am liebsten in einem Rutsch durchgelesen hätte...

 

Die Sprache ist modern, lässt sich einfach lesen. Vieles ist so anschaulich geschrieben, dass man sich sofort in die Situation mitgenommen fühlt. So manches kommt einem vielleicht bekannt vor, einiges lässt einen den Kopf schütteln, die Stirn runzeln oder ganz oft lächeln bzw. laut loslachen. Als Beispiel dazu fällt mir sofort Mr. Spocks Freundschaft zu Robomax 5000 ein und insbesondere die Szene, als der Hund nur mit seinem neuen Begleiter in den Nachbarsgarten umziehen möchte.

 

Ja, es wird viel mit Klischees gearbeitet: das „Marianne Rosenberg“-Pärchen aus der Nachbarschaft ist.... na klar, schwul. Auf der Klassenfahrt erlebt die Teenietochter.... na klar, ihre erste große Liebe. Und nach 25 Jahren Ehe geht der Ehemann das erste Mal alleine auf Seminarreise – mit einer jungen, hübschen Jungdoktorin.... na klar, das Thema Untreue steht im Raum.

 

Aber wie gesagt, man sollte sich von der cleveren Autorin nicht aufs Glatteis führen lassen! Und das macht diesen an sich leichten Liebes-Lebensroman zu einem sehr unterhaltsamen, den ich gerne gelesen habe und weiterempfehlen möchte. Liebe Theresia Graw, vielen Dank für die Loopings, die wir mitdrehen durften!

 

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© Kathrin Nievelstein - Hinweis: Bei allen Berichten handelt es sich um die subjektive Meinung der Autorin. Diese stellen keine objektive Berichterstattung dar. Daher ohne Gewähr.