Wildblumen im Schnee

von Cheryl Strayed, erschienen September 2016 im Goldmann Verlag, Paperback Taschenbuch, 480 Seiten, ISBN 978-3-442-48455-3

 

Wildblumen im Schnee handelt von einer Patchwork-Familie im ländlichen Teil Minnesotas, die einen schweren Verlust erleidet. Die die Familie zuhaltende Mutter & Ehefrau Teresa bekommt mit Ende 30 die Diagnose Krebs – völlig unvorbereitet muss die ganze Familie plötzlich mit der Krankheit und den Folgen klar kommen. Dies tut jeder auf seine Weise: Theresa selbst durchlebt in Gedanken noch einmal die Vergangenheit (ihre erste Ehe mit dem gewalttätigen Vater ihrer beiden Kinder, das Aufwachsen der Kinder, die Trennung und den Neuanfang mit ihrem jetzigen Partner). Ihr Lebensgefährte Bruce bleibt anfangs in der Realtität, verabschiedet sich innig, verliert sich dann in Selbstmordgedanken bis hin zu einer Flucht in eine neue Beziehung. Tochter Claire – die kluge Tochter – taucht aus der Welt der „Kopfmenschen“ ein in die emotionale Welt, wirkt damit überfordert und flüchtet sich in sexuelle Begegnungen. Und der emotionale Sohn Joshua flüchtet vor der Realität und damit verbundenen Verantwortung – bis ihn nach dem Tod seiner Mutter eine neue Verantwortung ins Erwachsenenleben zurückholt.

 

Es passiert viel in diesem Roman und ich empfand sowohl den manchmal distanzierten und oberflächlichen Schreibstil wie auch den schweren Inhalt teilweise sehr anstrengend zu lesen. Dabei meine ich nicht das Thema – das Leben vor und nach dem Tod einer nahen Angehörigen sowie die Zeit des Sterbens - sondern wie viel in kürzester Zeit passiert und damit nicht nur die Protagonisten, sondern auch mich als Leserin zeitweise überfordert hat. Dabei wird man mit einer rasanten Abfolge von Geschehnissen konfroniert, aber nicht mitgenommen, sondern steht aus außenstehender Betrachter in Distanz... Ja, auch wenn das Thema düster und schwer ist und Angehörige entweder sehr rational reagieren oder emotional & verwirrend reagieren, wirkte der Roman recht chaotisch auf mich. Irgendwie wurde alles Schlimme, was einem Menschen passieren kann, in diesem Thema reingepackt – zu viel meiner Meinung nach!

 

Leider habe ich mir durch den Klappentext einen etwas positiv bzw. motiviererenden Roman vorgestellt, denn wenn es heißt „...versucht Claire, die Familie zusammenzuhalten. Denn sie erkennt: Auch im größten Kummer entsteht Hoffnung, wenn man füreinander da ist...“, dann erhoffe ich mir mehr Licht im Dunkel der Trauer – leider wurde ich hier enttäuscht.

 

Daher meine Tipp: nicht lesen, wenn man selbst gerade einen Tiefpunkt hat bzw. anfällig für eine schwere, deprimierende Stimmung ist. Ich musste mich größtenteils durch den Inhalt „durchkämpfen“... wogegen mir das persönliche Vorwort und die Coveraufmachung sehr gut gefallen haben. Und daher bekommt dieser Roman „Wildblumen im Schnee“ von mir auch nur einen „halben Daumen hoch“.

 

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© Kathrin Nievelstein - Hinweis: Bei allen Berichten handelt es sich um die subjektive Meinung der Autorin. Diese stellen keine objektive Berichterstattung dar. Daher ohne Gewähr.