Papa geht arbeiten... und Mama?

Wenn man unsere Kleinste fragt, was denn ihr Papa macht, dann sagt sie: „Papa geht arbeiten“ und wenn man sie nach ihrer Mama fragt, dann bekommt man die Antwort: „Mama ist immer da“.

 

Nun, was ist das jetzt – ein Kompliment oder eine Demütigung? Dazu gleich mehr...

 

Aber wie komme ich eigentlich auf dieses Thema? Zur Zeit lese ich in einigen Familienblogs über die (geringe/fehlende) Wertschätzung von Müttern und bis heute morgen habe ich diese Texte unreflektiert hingenommen, da sie teilweise richtig gut mit Beispielen und Argumenten belegt sind bzw. in meine Stimmung gepaßt haben. Aber heute fällt es mir schwer, diese Aussage „die Arbeit der Mütter erfährt zu wenig Wertschätzung“ wirklich anzunehmen... warum? Das mag ich euch näher beschreiben:

 

Eins vorneweg, ich habe zwei tolle Töchter und einen lieben Mann – ja, ich bin ein Glückspilz :-) Und schon alleine, sich dessen immer wieder bewußt zu werden, tut mir gut.

 

Ja, es gibt Tage, da ist mir alles zu viel: morgens früh aufstehen, nachdem man erst spät ins Bett gekommen ist oder nachts schlecht geschlafen hat (was nicht immer am Kinderfuß im Rücken gelegen hat); wenig Zeit für sich selbst zurecht zu machen, ein quengeliges Kind beim Anziehen, die Zeit rinnt einem durch die Finger und vor dem Kindergarten findet man keinen Parkplatz. Die Fusselmäuse fliegen einem entgegen, die Keksbrösel kleben einem unter den Socken, die Spülmaschine will ebenso wie die Waschmaschine ausgeräumt werden, der Wäscheberg gebügelt und weggeräumt; Eltern und Schwiegereltern wünschen Hilfe, der Kühlschrank ruft „füll mich auf!“ und per Email wird man an den nächsten Abgabetermin eines Erfahrungsberichtes erinnert; Zeit bleibt dafür nicht, denn die Kleinste möchte wieder abgeholt werden, die Große ruft von der Uni an und erzählt begeistert von ihrer Klausur; Mittagessen, Nachmittagssnack, Abendessen und dazu noch Rezepte, die man unbedingt ausprobieren bzw. verbloggen will; dazu warten die kleinen Freundinnen auf dem Spielplatz oder beim Tanzunterricht und abends wartet das Buch, welches noch (vor-) gelesen werden möchte, das Tagesgeschirr stapelt sich in der Küche und der Mann möchte von seinen Kollegen berichten... egal, ob der Druck hausgemacht oder von außen kommt – an manchen Tagen komme ich ganz schlecht damit zurecht und dann mag ich den Blogberichten zustimmen: ja, wir Mütter sollten für unsere Arbeit und das Familienmanagement mehr Wertschätzung erfahren!

 

ABER: wenn ich dann von meinen Mädels umarmt werde, Küsschen verteilt werden und Augen strahlen... dann sehe ich die Antwort „Mama ist immer da“ als ein Kompliment, denn ich habe das Privileg, die besondere Nähe, Liebe und Aufmerksamkeit meiner Kinder genießen zu dürfen. Mama ist die letzte, die an der Gruppentür im Kindergarten noch ein Küssen und eine Umarmung bekommt; sie ist die erste, auf die mittags eine kleine begeisterte Hexe zustürmt und atemlos berichtet, dass sie heute in der Verkleidungsecke gespielt haben. Sie spürt die kleine Hand, welche sich vertrauensvoll jeden Tag in ihre schiebt, den liebevollen Blick von unten, den man nur zu gern erwidert. Mama bekam als erste die ersten wackeligen Schritte und das erste Wort mit. Mama bekommt jetzt die schönsten selbstgemalten Bilder und fantasievolle Basteleien und zwischendurch ein „ich hab dich lieb, Mama“. Wir sehen unsere Kinder glücklich aus dem Auto steigen und zu ihren Freundinnen laufen; abends kuscheln sie sich müde an uns auf dem Sofa an. Nach dem Vorlesen haben wir das Privileg, die kleinen Schlafmäuse bis zum Einschlummern zu begleiten und den letzten Blick auf ein friedlich schlafendes Kind zu genießen.

 

Einmal tief durchatmen...

 

Ja, in vielen Situationen habe ich erfahren, dass sich meine Töchter – wenn sie sich zwischen Unterstützung von Mama oder Papa entscheiden müssen – sich für mich entschieden haben. Weil: Mama ist immer da!

 

Auf Mama ist Verlaß – auf Mama kann man zählen – Mama ist der Ruhepol – Mama gibt die Regeln vor – Mama hat Zeit zum Kuscheln... diese Liste könnte ich endlos fortsetzen. Und wenn ich mir dieser Vorteile so bewußt werde, dann tut mir mein Mann wirklich leid: er mag vielleicht das ein oder andere Lob in der Firma bekommen (wobei es auch dort Tage gibt, da ist der Ton so rauh, dass für ein kollegiales Gespräch kein Platz ist), aber zuhause bekomme ich die Vorzüge einer Mutter & Familienmanagerin hautnah und intensiv zu spüren... er steht hier quasi in zweiter Reihe, obwohl er ein liebevoller Vater ist. Aber er ist einfach in den wichtigen Zeiten der Mädels nicht da und somit tut er mir manchmal wirklich leid, wenn er von seiner Kleinen zu hören bekommt „Mama hat aber gesagt, dass wir heute in den Tierpark fahren, weil das Wetter so schön ist“... „Mama will nicht, dass ich noch mehr Gummibärchen esse, weil es doch gleich Abendessen gibt“... „Ich mag lieber mit Mama spazieren gehen“... „Mama soll mir etwas vorlegen! Du kannst dann gehen!“.

 

Und wenn ich nun so darüber nachdenke, wird mir bewußt, dass wir alle unseren Platz in der Familie und Gesellschaft haben – mit Höhen und Tiefen, mit Lob und Widerstand, mit Achtung und Missachtung. Wenn wir uns aber angewöhnen, das „Glas des Lebens“ als halbvoll und nicht halbleer zu sehen, wenn wir uns bewußt werden, wie schön unser Leben eigentlich ist, dann mag ich den Autorinnen der oben genannten Blogberichte zurufen: schaut genau hin! Ihr bekommt euer Lob und eure Anerkennung! … von den wichtigsten Menschen in eurem Leben! Und daher bin ich stolz, wenn meine Kleinste sagt „Mama ist immer da“, denn sie meint damit einfach, dass ich ihr Anker und Halt in ihrem jungen Leben bin, auf den sie sich verlassen kann... also: alles richtig gemacht!

 

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© Kathrin Nievelstein - Hinweis: Bei allen Berichten handelt es sich um die subjektive Meinung der Autorin. Diese stellen keine objektive Berichterstattung dar. Daher ohne Gewähr.