Urbaner Gartenbau - Urban Gardening... die Naschecken auf unserer Terrasse und im Garten

Urbaner Gartenbau (Urban Gardening) ist derzeit ein beliebtes Thema. Denn immer mehr Menschen wünschen sich frische Lebensmittel, unbehandelt und geschmackvoll, auf den Tisch. Was auf dem Land selbstverständlich ist (viele Bauernhöfe haben/hatten ihre eigenen Nutzgärten & Obstbäume) oder durch Schrebergärten auch in Stadtnähe verwirklicht wird – wobei ich das Gefühl habe, diese Art des Gartenbaus stirbt immer mehr aus – wird nun auch in der (Klein-) Stadt immer mehr verwirklicht: Gärtnereien bieten mittlerweile eine Auswahl an Obstbäumen im Topf an, hängende Obst- und Gemüsesorten kann man ebenfalls bekommen und diese sind ideal für Topfampeln, an der Wand angebrachte Gitter, Pflanztreppen oder als Hochbeet umfunktionierte Paletten... der Fantasie sind auf Terrasse und Balkon eigentlich keine Grenzen gesetzt – der Umsetzung mit ein wenig Geschick aber auch nicht ;)

 

Ich bin auf dem Land aufgewachsen und habe den Garten meiner Mutter geliebt: wir haben frische, knackig-süße Möhren aus dem Boden gezogen und gleich gegessen... der Salat roch und schmeckte nicht nach Chemie und es war für uns Kinder spannend zu sehen, wie die Radischen immer dicker wurden. Einfach mal Erdbeeren naschen oder Himbeeren & Brombeeren vom Strauch pflücken... und den Geschmack von sonnenwarmen, zuckersüßen Pfirsischen werde ich wohl nie vergessen.

 

Diese Erfahrungen wollte ich auch meinen Kindern mitgeben und habe so mit Hilfe von Pflanztöpfen aus Kunststoff und Ton, ausgedienten Blumentreppen aus Metall und Blumenkästen an verschiedenen Plätzen unserer Terrasse und des kleinen Gartens leckere „Genuss-Highlights“ gesetzt:

 

Unsere Terrasse beherbergt eine Kräuterecke mit div. Küchenkräutern, die in der Abendsonne so wunderbar duften und deren essbare Blüten auch dekorativ sind. Die Kräuter stehen auf einer alten Blumentreppe, die einfach einen neuen Anstrich (Hammerith) bekommen hat. Dazwischen stehen Tomaten- und Paprikapflanzen, die sich scheinbar richtig wohl an diesem Standort fühlen, denn sie tragen bald das zweite Mal in diesem Jahr! Meine Kinder lieben es, die kleinen Tomaten abzupflücken und gleich zu vernaschen... und ich muss sie nicht erst ermahnen, diese zu waschen, denn unsere Tomaten sind giftfrei. Die Kleinste strahlt immer übers ganze Gesicht, wenn die süße Tomate im Mund knackt und dann lecker schmeckt... schon alleine dafür hat sich der Aufbau der Kräutertreppe gelohnt ;)

 

Neben der Kräutertreppe haben wir einen großen Blumentopf (Emsa) hingestellt, der mit Pflanzbändern mit Radieschen und Möhren bestückt wurde. Da Radieschen schnell wachsen, konnten die Kids bald erste Erfolge unseres „urbanen Kleingartens“ sehen und schmecken. Es geht doch nix über frisch geerntete, knackig-scharfe Radieschen, oder? Die Möhrchen brauchen viel länger und starten erst richtig durch, wenn die „runden“ Nachbarn geerntet sind.

 

Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen wir quasi mit einer geraden Blumentreppe, die von meiner Mutter aussortiert wurde: auf ihr stehen lange Blumenkästen, gefüllt mit Pflücksalat und Rucola; eine Ablage ist für die „Schmetterlingsblumen“ meiner Töchter reserviert, denn sie haben ein Tütchen Blumensamen geschenkt bekommen mit Blüten, die gerne von Schmetterlingen und Bienen angeflogen werden. Diese werden nun jeden Abend fleissig gegossen und die Freude war riesig, als aus den unscheinbaren Samen die ersten Pflänzchen sprießten... heute kann man schon die unterschiedlichen Pflanzen erkennen und wir staunen immer wieder, was noch so alles zum Vorschein kommt. Nicht zu verachten sind natürlich auch die Kästen mit dem Salat, der jeden Abend für ein leckeres Abendessen sorgt und sogar pur gegessen werden kann. Meine Kleinste mochte bislang Salat überhaupt nicht – der chemische Geschmack und Geruch war ihr instinktiv zuwider... seitdem sie neugierig unsere Salatblätter gepflückt und genascht hat, verkündet sie stolz: ich esse nun Salat! Und wer mal selbst angebauten Rucola gegessen hat (ich liebe ihn sowohl auf Pizza oder in Nudelgerichten, aber auch als Würze im Salat), wird nie wieder die geschmacklich-wässrige Ware aus dem Supermarkt haben wollen... Und da die Treppe zudem noch ein hübscher Hingucker ist und unsere dahinter stehenden Mülltonnen verdeckt, haben wir hier ein richtiges „Mehrzweck“-Treppenbeet.

 

Weiter geht es zu unserer selbstaufgebauten Mauer, die aus runden Pflanzsteinen schnell gebaut ist. Sie trennt den Spielbereich mit Schaukel, Rutsche und Sandkasten vom Trampolin, welches im betonierten Sonneneck steht. In die Pflanzsteine haben wir bereits vor einigen Jahren Erdbeerpflanzen gesetzt, die sich Jahr für Jahr weiter ausbreiten, Setzlinge bilden und jedes Jahr mehrmals kräftig tragen. Dazu gibt es einen Strauch rote Johannisbeeren, der sich ebenfalls in den Pflanzsteinen wohlfühlt und seit diesem Jahr einen Stachelbeerstrauch, der seine Tragfähigkeit erst noch unter Beweis stellen muss ;) Gerade aber die Erdbeeren finden großen Anklang bei den Mädchen und ihren Freundinnen, denn es ist spannend, täglich neue rote, süße Früchte zu finden und direkt ohne Waschen vernaschen zu dürfen. Die Mauer bringt die Pflanzen auf angenehme, rückenschonende Pflückhöhe und außerdem sehen gerade die weißen Erdbeerblüten sehr dekorativ aus,wenn sie dann an der Mauerwand herunterhängen.

 

Ein Stück weiter haben wir die nächste „Naschstation“ aufgebaut: in einem stabilen Hängetopf (Emsa) gibt es seit diesem Jahr eine weitere Sorte Erdbeeren, daneben steht ein Topf mit selbstgezogener Kapuzinerkresse, wenn im Sommer nicht nur für Würze im Essen, sondern auch für einen weiteren bunten Blütentupfen im wohltuenden Grün des Garten sorgt. Und hier gesellt sich auch unser Säulenapfelbaum zur Gruppe dazu, der – jedes Jahr wieder zurecht geschnitten – im Frühjahr wunderschön blüht und im späten Herbst uns leckere Äpfel schenkt. Unser Kleine findet es spannend, wie aus dem „kleinen Apfel“ über den Sommer hinweg ein immer größerer wird, der irgendwann rote Backen bekommt und dann – nach endlos erscheinender Reifezeit – endlich gegessen werden darf. Den allerersten Apfel haben wir quasi zelebriert und durch 4 geteilt...

  

4 Stationen zum Staunen, Naschen und Genießen – einfach und platzsparend auf Terrasse und dem kleinen Vorstadt-Garten verteilt... so kann ich meine Kindheitserlebnisse an meine Mädchen weitergeben und hoffe, sie werden sich später an den Geschmack von Erdbeeren, Tomaten & Co erinnern und vielleicht ihren Kindern ebenfalls einen solchen Garten ermöglichen – sei es auf dem Land oder als „urban gardening“.

 

 

Übrigens habe ich mir so manche Anregung - und auch Blumentopf - aus dem "Emsa Blog" geholt. Dort gibt es ein eigenes Thema zum Urban Gardening... schaut doch mal rein ;)

 

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© Kathrin Nievelstein - Hinweis: Bei allen Berichten handelt es sich um die subjektive Meinung der Autorin. Diese stellen keine objektive Berichterstattung dar. Daher ohne Gewähr.