Das Haus der Seidenblüten

Roman von Liz Trenow, erschienen März 2018 im Blanvalet Verlag, Paperback/Taschenbuch, 448 Seiten, ISBN 978-3-7341-0485-5

 

 

„Bei der Wahl seiner Freunde kann man gar nicht vorsichtig genug sein. Niemand sollte in seiner Zuneigung zu einem anderen so weit gehen, dass er ihm auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist...“ (Zitat S 176, Kapitel 10).

 

Die Autorin, welche selbst in der Nähe einer Seidenspinnerei aufgewachsen ist, lässt uns Kapitel für Kapitel sowohl in das „Handbuch für Lehrjungen und Gesellen oder Wie man zu Ansehen und Reichtum gelangt“ blicken – das vorgenannte Zitat stammt daraus – als auch in das Handbuch für junge Damen „Über die Umgangsformen der feinen Damen“ und nimmt uns so – einleitend in jedes Kapitel – nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich in die Welt rund um das 18. Jahrhundert mit.

 

Anna Butterfield, eine Pastorentochter, zieht nach dem Tod ihrer Mutter vom ländlichen Suffolk in die Großstadt London zu ihrem Onkel, der mit Frau, Tochter & Sohn zu den aufstrebenden Tuchhändlern und Hoflieferanten gehört. Während der Onkel sich – mal legal, mal eher auf krummen Wegen – um die Ausweitung seines Geschäftes kümmert und hierbei seinen Sohn an seiner Seite hat, leben Tante und Cousine das gesellschaftliche Leben genussvoll aus. Eine bislang fremde Welt für Anna, die ihr anfänglich auch das Gefühl von Gefangenheit gibt.

 

Aber sie lernt gleich zu Anfang ihrer Londonzeit den jungen Seidenweber Henri kennen, der begabte Geselle des Monsieur Lavalle, der ihn nicht nur in jeder Hinsicht beruflich fördert, sondern in ihm auch gerne seinen Nachfolger und Schwiegersohn sähe.

 

Neben diesen beiden Protagonisten Anna und Henri, deren Annäherung sich wie einer roter Faden durch den Roman zieht, begleiten die beiden auch Nebenschauplätze wie den Aufstand der Webergesellen, in den vor allem Henris Freund Guy verstrickt ist, als auch die elitäre Gesellschaft rund um Sohn William und seinen Freund Charles, den man gerne als zukünftigen Ehemann Annas sehen würde. Auch Anna bekommt einen Gegenpol an ihre Seite: die Schneiderin Miss Charlotte, welche sich im Laufe der Geschichte zu einer guten Freundin entwickelt.

 

Der Roman ist zwar geschichtlich verschachtelt, lässt sich aber aufgrund einer wunderbar bildlichen und leicht verständlichen Sprache sehr gut lesen. Er erinnerte mich manchmal an die Fernsehserie „Eton Place“ und lässt in mir immer wieder Bilder entstehen, in die ich gerne „versinke“. Dennoch habe ich das Gefühl der Beobachterin und fühle mich beim Lesen außen vor, nicht mitten drin – ob das so gewollt ist?

 

Jedenfalls steigert sich die Geschichte langsam in ihrer Dramatik und lässt aus einer jungen Frau eine selbständige und mutige Künstlerin werden, die immer mehr für ihren eigenen Weg kämpft. Gerade im letzten Teil wird daraus eine spannende Geschichte mit unerwarteten Wendungen; es macht wirklich Freude, die rund 450 Seiten zu lesen. Auch bietet die Autorin zum Ende einen schönen, abschließenden Epilog, eine Erklärung, wie es zu diesem Roman kam und eine Zeittafel der Ereignisse an, die das Buch abrunden.

 

Wer historische Romane mag und etwas mehr als Liebe & Romantik erwartet, dem mag ich diesen Roman ans Herz legen. Lasst euch einstimmen mit einem wunderschön gestalteten Cover und einer jungen Frau, die das Tor zur eigenen Zukunft in der Hand hält... viel Freude beim Lesen wünsche ich!

 

 

 

 

 

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© Kathrin Nievelstein - Hinweis: Bei allen Berichten handelt es sich um die subjektive Meinung der Autorin. Diese stellen keine objektive Berichterstattung dar. Daher ohne Gewähr.