Der Herzschlag der Steine

Roman von Isabel Morland, erschienen Januar 2019 im Knaur TB Verlag, Paperback/Taschenbuch, 464 Seiten, ISBN 978-3426523544

 

 

„Er musste bereit sein, ihr zu vertrauen und ihr Freiheit zu gewähren, dann vertraute sie sich auch ihm und seiner Führung an.“ (S.369)

 

Manchmal tut man gut daran, den Tieren zuzuhören und mit ihnen nicht nur verbal zu kommunizieren. Daß dies nicht einfach ist, zeigt die deutsche Autorin Isabel Morland in ihrem neusten Roman, der erneut auf den Äußeren Hebriden an der Westküste Schottlands spielt. In ihrer Geschichte stehen sowohl die Menschen, als auch die Tiere – alle verbunden durch uralte Rituale & Sagen – im Mittelpunkt.

 

Ailsa wurde auf einer der kleinen Inseln der Äußeren Hebriden geboren, ging dann nach Toronto, heiratete und fasste beruflich Fuß. An eine Rückkehr dachte sie nicht; durch den Tod ihrer Mutter war sie aber gezwungen, sich mit ihrer Vergangenheit auseinander zu setzen. Sie kehrte zurück, um das Haus zu verkaufen und wurde nach und nach von alten Geschichten, Gefühlen und den damit verbundenen Personen eingeholt: ihr Freund aus Kindertagen, Blair, versucht den Verkauf an einen großen Investor zu verhindern und das zufällige Treffen mit ihrer Jugendliebe Grayson lässt alte Gefühle aufblühen...

 

Was wie eine klassische Liebesgeschichte vor rauem Hintergrund klingt, ist viel mehr: die Autorin nimmt uns mit auf eine Reise, die vor rund 5000 Jahren mit einem alten Steinkreis begann. Wir lernen die Eigenart und Rituale der Inselbewohner kennen – besonders eindrücklich durch die Schäferin Morag dargestellt – und fast ist es so, als ob man die torfige Luft, die Steine, die matschige Erde und die Tiere – insbesondere die Schafe und Ponys – fühlen kann. Vieles, was diesen Landstrich ausmacht, hat Isabel Morland klar und treffsicher in Worte gefasst.

 

„Mittlerweile ist es Oktober geworden. Die Sonne erhob sich spät hinter den Hügeln, kaum mehr als eine dünne goldrote Linie, über der ein zart hellblaues Leuchten schwebte. Blairs Instinkte waren geschärft. Seine Augen, an das Zwielicht gewöhnt und scharfsichtig wie die eines Steinadlers, machten wabernde Schleier über dem Loch Shiadair aus...“ (S. 360)

 

Man kann die Magie spüren, die Launen der Bewohner und – gerade, wenn man schon mal selbst die Steine berühren konnte – quasi die Blackhouses spüren... für mich war es eine Reise in die Vergangenheit, verbunden mit viel Freude, aber auch Sehnsucht... und dies alles gut verpackt in eine packend erzählte Freundschafts- und Liebesgeschichte, die noch viel länger hätte gehen können ;)

 

Wer keltische Geschichten und die rauhen Gegenden Schottlands liebt, sich mit einer Liebesgeschichte gut unterhalten lassen möchte und außerdem noch ein wenig sein Fernweh schüren will, dem darf ich diesen wunderbaren Roman sehr ans Herz legen. Für mich ist „Der Herzschlag der Stein“ ein Buch, welches ich sicherlich mehrmals zur Hand nehmen werde... zum Wegträumen und Wiederholen der besonderen Gefühle, die das Stecken meiner Nase in die dichte Mähne der Ponys und das Schnauben ihrer weichen Mäuler in meinen Händen tief in mir hinterlassen haben.

 

 

 

 

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© Kathrin Nievelstein - Hinweis: Bei allen Berichten handelt es sich um die subjektive Meinung der Autorin. Diese stellen keine objektive Berichterstattung dar. Daher ohne Gewähr.