Der schönste Sommer unseres Lebens

Roman von Maeve Haran, erschienen März 2019 im Blanvalet Verlag, Taschenbuch/Paperback, 528 Seiten, ISBN 978-3734106224

 

 

„'Am besten lege ich meine Karten offen auf den Tisch', verkündete sie. 'Eigentlich freunde ich mich nicht mit Frauen an.'“ (S. 125). Und dennoch verbringen Angela, Claire, Sylvia und Monica als Freundschaftsdienst für Stephen, dem die wunderschöne Villa Le Sirenuse im italienischen Lanzarella gehört, einen Sommer miteinander. Die vier unterschiedlichen Charaktere versprechen eine spannende Geschichte, die von der englischen Autorin Maeve Haran unterhaltsam erzählt wird.

 

Nach und nach lösen sich die anfänglichen Spannungen zwischen den Ü60-Damen auf und sie entfalten ihre einzigartigen Fähigkeiten: Sei es die Leidenschaft zu Zitronen & Traditionen, sei es die bunte Vielfalt an Deko & ausgefallenen Stoffen oder eine wachsende Freundschaft zu einem schrulligen Künstler – der Roman führt uns ausführlich durch die Welt der Frauen, die irgendwann tatsächlich an einem Strang ziehen.

 

Interessant und auch nicht immer einfach nachzuvollziehen ist der unkonventionelle Sprung zwischen den einzelnen Geschichten bzw. Protagonisten innerhalb eines Kapitels; allerdings sind die einzelnen Episoden kurz genug, um die anderen Ladies nicht aus den Augen zu verlieren. Und so wird auf einmal aus vier individuellen Persönlichkeiten eine „Lanzarella-Frauenkooperative“, die sich gegenseitig stützen und unterstützen.

 

Ich mag die gekonnte Übersetzung von Karin Dufner, die in mir immer wieder Bilder entstehen lässt und ich freue mich über das Rezept von Claires Zitronentorte, die ich sicherlich demnächst einmal ausprobieren werde. Ja, das Rezept versteckt sich im Buch und nicht – wie oft üblich – im Klappdeckel des Paperbacks; es ist also eine kleine Überraschung und wie ich finde, eine gelungene.

 

Weniger gelungen finde ich allerdings das Cover. Es erscheint mir lieblos und „allerwelt“: Der gezeigte Kuchen hat nichts mit den ausführlich beschriebenen Köstlichkeiten im Roman zu tun und ein paar Zitronen wirken wie „hingeklatscht“! Wirklich schade, denn die bildhafte Sprache der Autorin und die mit Worten zu gekonnt erschaffene Stimmung birgt so viel Potential zu einem Cover, welches aus der Flut der aktuellen Buchtitel hätte herausragen können. Ja, ich gebe es zu: selten hat mich ein Buchcover nach dem Lesen eines Romans so sehr enttäuscht...

 

Aber der Inhalt zählt ;) Und der gefällt mir wirklich gut, auch wenn ich mir vorstellen könnte, dass die Ladies gut 10 Jahre jünger sein könnten. Ich habe mich unterhalten gefühlt, habe gerne immer wieder zu dem Buch gegriffen und mich weiter in Intrigen und Freundschaft entführen lassen. Mit ein bisschen Wehmut habe ich die letzten Seiten gelesen... gerne hätte ich noch länger in Lanzarella verweilen können.

 

Und daher gilt meine Empfehlung für alle Leseratten, die gerne mal einen etwas im Stil unkonventionelleren Roman in die Hand nehmen und sich in die Vielzahl der italienischen Genüsse entführen lassen wollen... unaufgeregt und doch spannend, natürlich mit Happy End und ganz viel Wohlfühlgefühl.

 

 

 

 

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© Kathrin Nievelstein - Hinweis: Bei allen Berichten handelt es sich um die subjektive Meinung der Autorin. Diese stellen keine objektive Berichterstattung dar. Daher ohne Gewähr.