Die Frauen von Richmond Castle

Roman von Tracy Rees, erschienen Januar 2020 im Ullstein Verlag, Paperback/Taschenbuch, 528 Seiten, ISBN 978-3548060835

 

 

Ein ganzes Jahr lang begleiten wir „Blue“ Ishbel Christina Camberwell, ihre Familie und die Bewohner von Richmond in dem neusten Roman der britischen Autorin Tracy Rees. Die Geschichte spielt in den 20ern und bietet eine Bandbreite von ländlichem Adel über Geschäftsleute bis hin zur Arbeiterklasse, die zu dieser Zeit immer mehr gemeinsame Wege gingen.

 

So arbeitet Blue als „Tochter aus gehobenem Hause“ eine Weile als Journalistin, um ihrem Traum, vom Schreiben leben zu können, ein wenig näher zu kommen. Die zweite Frau ihres Vaters hadert mit ihrer eigenen (niederen) Herkunft und sucht auch noch nach Jahren der Ehe ihren Platz in der Gesellschaft. Und als Blue und ihre Clique die junge, mittellose Delphine aus dem Wasser retten, lernen wir auch die Arbeiterklasse kennen, die von dem gewalttätigen Ehemann der jungen Frau verkörpert wird.

 

Was plakativ klingt, liest sich unterhaltsam und flüssig. Es hat mir Spaß gemacht, mich durch die 4 Jahreszeiten zu lesen. So manche Portion Humor lässt mich schmunzeln; auch die Wortwahl und den Sprachfluss finde ich außerordentlich gut lesbar.

 

„Die Suche nach den vollkommenen Worten war das Schwerste. Eigentlich sogar unmöglich! Aber wie konnte es auch vollkommene Worte für etwas so Unvollkommenes geben: menschliches Versagen; die Enttäuschungen, die Menschen einander zuteilwerden ließen; Vertrauensbrüche; nicht nachvollziehbares Handeln... Leben.“ (Zitat S. 369)

 

Teilweise ist die Handlung vorhersehbar, aber dennoch konnten die kleinen Anekdoten immer wieder überraschen. Mir gefallen die Protagonisten: sie sind gut ausgearbeitet und glaubwürdig. Sie werden durch Statisten ergänzt, welche die Geschichte schön abrunden. So kam für mich zu keinem Zeitpunkt Langeweile auf und ich habe den Roman gerne in einem Rutsch gelesen.

 

Etwas mehr Raffinesse hätte ich mir allerdings von dem Buchcover gewünscht. Für mich ist es austauschbar – trotz blau gekleideter Frau, die dem heutigen Covertrend entspricht. Aufgrund dieses ersten visuellen Eindrucks hätte ich wohl nicht zum Buch gegriffen; allerdings hat mich der Klappentext bewogen, das Buch dann doch zu lesen und das ist gut so. Meine Leseempfehlung für alle, die sich gerne – historisch angehaucht – mit einer vielseitigen Familiengeschichte unterhalten lassen möchten.

 

 

 

 

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© Kathrin Nievelstein - Hinweis: Bei allen Berichten handelt es sich um die subjektive Meinung der Autorin. Diese stellen keine objektive Berichterstattung dar. Daher ohne Gewähr.