Kirschblütensommer

*Werbung / Rezensionsexemplar*

Roman von Valentina Cebeni, erschienen am 11. April 2022 im Penguin Verlag, Taschenbuch/Paperback, 544 S, ISBN 978-3328108627, Übersetzung aus dem Italienischen von Ingrid Ickler

 

Hier findet ihr die Romane von Valentina Cebeni

 

„Hier im Wald habe ich immer das Gefühl, dass die Zeit stillsteht.“, sagte sie und reckte das Gesicht schnuppernd in die frische Morgenluft. „Die Zweige der Bäume über mir bilden ein Dach, als wollten sie mich vor neugierigen Blicken schützen, die Eichhörnchen klettern die Stämme hoch und suchen nach Nahrung, und unten zwischen dem Moos wachsen Pilze. Wenn ich der Stille hier lausche, ist es mir, als wäre der Krieg für einen Augenblick lang verschwunden.“ (Auszug S. 375).

 

 

Kirschblütensommer ist der zweite Band der Familiensaga rund um die Familie Fontamara und spielt in den 40ziger Jahren in Rom. Das Familienoberhaupt Eva baut die Bäckereien aus, macht mit den Kriegsparteien Geschäfte und versucht zugleich, die schwelenden Konflikte in ihrer Familie zu lösen. Doch nicht nur ihre Töchter Diana und Myriam belasten den Familienfrieden, auch die heimlichen Rettungsaktionen im Hintergrund zehren an Evas Nerven. Auszeiten wie der Aufenthalt im Limettenhaus sind da wie kleine Urlaube, werden aber zum Ende des Krieges immer seltener...

 

Eigentlich mag ich die Geschichten der römischen Autorin Valentina Cebeni sehr, da sie nicht nur einen einnehmenden Schreibstil hat, sondern auch geschickt Vordergründiges mit Tiefe verbindet. Aber in „Kirschblütensommer“ tue ich mich wirklich schwer, der Geschichte zu folgen. Der Band ist der mittlere der Triologie und baut mit vielen Verbindungen auf Band 1 (Das Limettenhaus) auf, so dass es für Leser*Innen wie mich, die den ersten Band nicht kennen, wirklich verwirrend sein kann, mit so vielen Namen und Hintergrundgeschichten konfrontiert zu werden. Hilfreich wäre vielleicht ein Personenregister gewesen oder eine Zusammenfassung von Band 1 als Vorgeschichte; denn die Autorin schwenkt nur selten in die Vergangenheit zurück. Daher habe ich mich eher durch die Geschichte „gekämpft“, obwohl mir Stellen wie das obere Zitat wirklich gut gefallen und mich zum Weiterlesen motiviert haben. Daher ein Tipp: Zuerst „Das Limettenhaus“ lesen, danach in „Kirschblütensommer“ einsteigen und dann auf Band 3 warten...

 

Ist das Cover in kräftigem Grün und Rot positiv gestimmt, so ist das geschichtliche Thema eher düster und schwer. Judenverfolgung, Lebensmittelknappheit, die Brutalität der Kriegsparteien sind deutlich aufgezeichnet – im Gegensatz dazu findet man aber immer wieder Inseln des Glücks bzw der Hoffnung – dieser Zwiespalt ist wirklich reizvoll. Ich fand es interessant, den zweiten Weltkrieg mal aus italienischer Sicht zu lesen. Dabei kamen mir immer wieder Vergleiche z.B. zur deutschen Autorin Teresa Simon in den Sinn und wie diese die letzten Kriegsjahre in München beschrieben hat.

 

Alles in allem bin ich zwiegespalten, ob meine Bewertung eher positiv oder neutral ausfällt. Auf jeden Fall kann ich aber Interessenten von großen Familiengeschichten raten, mit Band 1 zu beginnen.

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© Kathrin Nievelstein

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