Spätsommerfreundinnen

Roman von Andrea Russo (auch bekannt als Anne Barns), erschienen September 2018 im Mira Taschenbuchverlag (mtb), Paperback/Taschenbuch, 320 Seiten

 

 

„Es knistert und zischt. Kurz darauf strömt der buttrig süße Duft von frisch gebackenen Pancakes in meine Nase. Noch einmal schaue ich auf Evas Karte. Sei wild und unersättlich! Jetzt. Sofort. ...“ (Seite 14, letzter Abschnitt)

 

Könnt ihr die Pancakes riechen? Als ich diese Stelle las, lief mir sofort das Wasser im Mund zusammen und ich hörte das Zischen des Teiges in der Pfanne. Ja, Andrea Russo – so mancher Leseratte auch bekannt als Anne Barns – genießt nicht nur selbst gerne und steht dafür in der Küche oder besucht gute Cafes, sie hat auch die Gabe, diese Genussmomente so zu beschreiben, dass wir mitgenommen werden...

 

In ihrem neusten Roman begleiten wir Jette (50 Jahre und mit dem Motto: die Wechseljahre sind eine zweite Chance, sich selbst zu finden), ihre erwachsene Tochter Jule und die beste Freundin Eva (Beruf Komissarin). Jette kehrt nach ihrer Scheidung zurück in das Dorf, in welchem sie aufgewachsen ist, denn der Freund der Familie und ihre ganz besondere Bezugsperson in der Kindheit ist unerwartet verstorben. Jette hat die Option, seinen alten Gasthof mit einem wunderschönen Garten zu übernehmen. Da sie gerade am Scheideweg ihres Lebens steht und überlegt, sich beruflich zu verändern, ist das ein interessantes Angebot – wenn da nicht ihre erste große Liebe wäre, die ebenfalls in diesem Dorf wohnt und an dem Gasthof interessiert ist. Während und nach der Trauerfeier kehren all die verschollenen Erinnerungen und Gefühle zurück; nicht zuletzt auch durch ihre ehemalige Freundin Ulla.

 

Was in der Zusammenfassung wie ein seichter Liebesroman mit vorhersehbarem Ende klingt, ist meines Erachtens deutlich mehr: schon auf den ersten Seite wird sich so manche Endvierzigerin wieder erkennen (ich sage nur: wo ist die Pinzette für das widerspenstige Haar?). Hier hatte mich die Autorin bereits mit einem Lacher und weitere kleine Episoden sind im Roman gut verstreut. Wir bekommen Einblicke in Freundschaft, eine Kindheit zweier Freundinnen, die sich so nah sind und in doch so unterschiedlichen Familien leben. Wir dürfen der Aufarbeitung div. Gefühls“dramen“ beiwohnen und all dies immer wieder mit Szenen bzw. Bemerkungen aus der Gegenwart.

 

Ja, ich habe mich gut aufgehoben gefühlt in der Geschichte – erzählt in leicht verständlicher, lockerer, stimmungsangepaßter Sprache, die es einem leicht macht, Bilder entstehen und Sinnen ansprechen zu lassen. Sei es der oben erwähnte Duft, sei es die Ruhe des Teiches oder die Vielfalt in Thies Garten... zum dem übrigens auch wunderbar das Coverbild passt. Schon alleine wegen des Covers (und auch des Titels) hätte ich in einer Buchhandlung zu diesem Roman gegriffen :-)

 

Alles in allem eine wirklich lesenswerte Unterhaltungslektüre für den Kuschelnachmittag mit Kaffee, Kuchen und warmer Decke auf der Terrasse, die letzten Sonnenstrahlen scheinen auf die Herbstastern... oder abends vor dem Kamin mit einem Glas (spritzige?) Rotwein. Ich werde das Buch sicherlich noch einmal irgendwann lesen und kann es daher aus vollem Herzen weiterempfehlen.

 

 

PS: Als Highlight bekommen wir am Buchende übrigens noch einige leckere Rezepte verraten... mmmhhh, der Butterkuchen steht schon auf meiner Nachbackliste :-)

 

 

 

 

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© Kathrin Nievelstein - Hinweis: Bei allen Berichten handelt es sich um die subjektive Meinung der Autorin. Diese stellen keine objektive Berichterstattung dar. Daher ohne Gewähr.