Wacholderglück

Roman von Bella Osborne, erschienen September 2019 im mtb (MIRA Taschenbuch), Paperback/Taschenbuch, 352 Seiten, ISBN 978-3745700282

 

 

„Ich erwarte keinen Penny, sondern bin nur hier, um zu helfen. Du weißt schon, das ist diese Sache, die wir Einheimischen füreinander tun.“ (Auszug S. 170)

 

Uiii, ganz schön sarkastisch, der liebe Max! Er kann Daisy, die ein denkmalgeschütztes Bahnhofsgebäude von ihrem Großonkel geerbt hat, nicht besonders gut leiden... und das beruht auf Gegenseitigkeit.

 

Daisy ist immer in der Weltgeschichte unterwegs, das hat sie von ihrem Vater... und dennoch ist Ottercombe Bay so etwas wie ein „Heimatpunkt“, mit dem die junge Frau einerseits viele schöne Sommerferien verbindet – andererseits auch den tragischen Verlust ihrer Mutter. So braucht es einige Überwindung und eine besondere Klausel im Testament ihre Großonkels, dass Daisy zur Sesshaftigkeit für ein Jahr gezwungen wird. Der Umbau des alten Bahnhofsgebäudes zu einer angesagten Gin-Bar soll ihr bei der Überbrückung bis zur nächsten Reise helfen... und ihre ehemaligen Freunde aus Kindertagen tun ihr übriges dazu.

 

Klingt schön! Und lässt sich in einigen Teilen auch so lesen ;) Mit einer Mischung aus Humor und bildhaften Sprache ist „Wacholderglück“ der zweite Roman, den ich mit Vorfreude & Spannung gelesen habe.

 

Allerdings hat er mich letztendlich nicht so zufrieden gestellt wie „Neues Glück im Willow Cottage“, denn dieses Mal passiert zu viel auf einmal und wird dennoch nicht konsequent zu Ende geführt. Was soll daran so schlimm sein, denkt ihr nun vermutlich? Nun, ein durchgedrehter Mops, eine liebevolle Tante, eine Freundin und ihre Mutter mit übersinnlichen Fähigkeiten, ein Kinderfreund als verliebter Dorfpolizist, ein gutaussehender muskulöser Badboy mit Knast-Vater und ein der Welt entrückter Vater... dazu die Protagonistin, die scheinbar vor aller Welt (mit einem Motorrad) flüchtet. Und das alles auf übersichtlichen 350 Seiten nur angerissen – da muss ich sagen, manchmal hätte ich eher das Motto „weniger ist mehr“ gewünscht. Andere Aspekte wie der Um- bzw. Aufbau der Ginbar – wovon ich aufgrund des Klappentextes glaubte, dies macht den Hauptteil des Buches aus – werden nur angerissen; hier wurde meiner Meinung nach viel Potential nicht genutzt. Dafür erscheint ein ausrangierter Zugabteil... mit welchem Sinn? An der erste Lesestelle im Buch kommen mir Ideen wie „Oh, daraus baut sie sich eine außergewöhnliche Wohnung oder macht eine Außenbar“... aber wie so manch anderer Baustein in Bella Osbornes Geschichte, verlaufen solche Bilder bzw. Romanideen irgendwie im Nirgendwo des Roman... sehr, sehr schade!

 

Wie gesagt, die flüssige Sprache der Autorin und eingängige Übersetzung durch Diana Beate Hellmann machen den Roman unterhaltsam zum schnell Durchlesen – ideal für ein regnerisches Wochenende. Und auch das Cover lädt zum Zugreifen in der Bibliothek ein – es erinnert mit dem Cottage an das Cover des Vorgängerromans mit hohem Wiedererkennungswert. Dennoch hinterlässt das Schließen des Buches ein unzufriedenes Gefühl bei mir. Schade.

 

 

 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© Kathrin Nievelstein - Hinweis: Bei allen Berichten handelt es sich um die subjektive Meinung der Autorin. Diese stellen keine objektive Berichterstattung dar. Daher ohne Gewähr.