Was uns erinnern lässt

Roman von Kati Naumann, erschienen März 2019 im Harper Collins Verlag, Festeinband, 416 Seiten, ISBN 978-3959672474

 

 

Kati Naumann, selbst Jahrgang 1963, hat in Thüringen einen Großteil der Ferien bei den Großeltern verbracht. Diese Erinnerungen teilt sie mit uns in ihrem neusten Roman „Was uns erinnern lässt“ und nimmt uns mit auf eine Reise durch zwei Ebenen – vor und nach der Wende:

 

Im Jahre 1977 begleiten wir mehrere Generationen der Familie Dressel, welche ein Hotel inmitten des Thüringer Waldes führen. Wir erleben den Alltag nach der Teilung Deutschlands, erfahren von dem Leben in einer besonders überwachten Zone zwischen den beiden Stacheldraht-Grenzen. Langsam geht es bergab mit dem einst mondänen Hotel und irgendwann bleibt nur noch das Grundgerüst übrig... bis die Familie umgesiedelt wird.

 

Die zweite Ebene spielt im Jahre 2017: die alleinerziehende Milla, Mutter eines Teenagers und Fan von sogenannten „lost places“ findet bei einer Wanderung im thüringischen Wald eine Bodenplatte, umgeben von Schutt. Unter dieser Platte verbirgt sich ein Keller und damit verbunden ein Familiengeheimnis, welches wir nach und nach durch das Einflechten der heutigen Familie Dressel erfahren. Zwischen Milla und Christine Dressel beginnt eine Freundschaft, die einige Hürden zu überwinden hat.

 

„Einer kommt, einer geht – das Gleichgewicht der Welt stimmte wieder“... dieser zentrale Satz taucht mehrfach im Roman auf und hat eine wichtige Bedeutung, die man allerdings zwischendurch durch die neue Generation aus den Augen verliert, welche aber wie ein Dach über der ganzen Geschichte schwebt.

 

Die Geschichte an sich ist im grunde vorhersehbar, aber dennoch nicht langweilig. Die Autorin schafft durch eine abwechslungsreiche, moderne Sprache eine zur jeweiligen Situation passenden Stimmung, die mich beim Lesen schnell gefesselt hat. Ich bin ehrlich, es fiel mir schwer, zwischendurch das Buch wegzulegen und ich hätte gerne auch noch mehr von der Familie erfahren. Die einzelnen Charaktere sind gut ausgearbeitet, wenn auch teilweise mit Klischees behaftet, die man aber gut „überlesen“ kann bzw. sie passen einfach in den Ablauf. Ein wenig erinnert mich das Buch an ein gut gemachten Spielfilm aus der Zeit vor und nach der Wende.

 

Alles in allem ein unterhaltsamer Roman, der sich an den Erinnerungen der deutschen Geschichte entlang hangelt, aber nicht den Anspruch auf ein Geschichtsbuch erheben möchte, sondern den Leser unterhalten will. Dies ist Kati Naumann meines Erachtens sehr gut gelungen und daher kann ich diese Roman-Neuerscheinung wirklich empfehlen.

 

 

 

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© Kathrin Nievelstein - Hinweis: Bei allen Berichten handelt es sich um die subjektive Meinung der Autorin. Diese stellen keine objektive Berichterstattung dar. Daher ohne Gewähr.