Bratapfel am Meer

Roman von Anne Barns (alias Andrea Russo), erschienen September 2019 im MIRA Taschenbuch Verlag (mtb), Paperback/Taschenbuch, 352 Seiten, ISBN 978-3745700374

 

 

„Nur Brot gebacken hat sie nicht, denke ich, während ich das Knäppchen abschneide, das knusprige Endstück des noch warmen Brotes. Ich bestreiche es dick mit Butter, bestreue es mit etwas Salz, das ich, wie Enna gesagt hat, im Küchengeschrank gefunden habe, und beiße hinein. Genussvoll schließe ich die Augen...“ (Auszug S. 146)

 

Nun, wer hat nun ebenfalls Lust bekommen auf ein ofenwarmes Brot mit Butter? Mir läuft schon beim Lesen das Wasser im Mund zusammen und neben diesem Wohlfühl-Gefühl, welches sich durch den ganzen neusten Roman der deutschen Autorin Anne Barns (alias Andrea Russo) zieht, denke ich daran, dass das Endstück bei uns Knust hieß und mein Vater und ich uns immer darum gestritten haben.

 

Ja, erneut geht ein Inselroman von Anne Barns ans Herz: wir begleiten die Krankenschwester Caro nach ihrem Weihnachtsdienst auf der Intensivstation bei einer Auszeit auf Juist. Mit dabei ist ihr Hund Einstein... und ein Tramper namens Max, der sie an ein Erlebnis aus ihrer beruflichen Vergangenheit erinnert.

 

Anlaß zu diesem spontanen Ausflug ist eine liebgewonnene Patientin, die Caro kurz vor ihrem Tod eine Kette in die Hand drückt mit den Worten „Bring meine Kette zurück zu meiner großen Liebe, nach Juist!“. Und Caro wandelt nun auf den Pfaden der Frau, welche in jungen Jahren viel Zeit auf der Insel verbracht hat. Nach und nach verbinden sich die einzelnen Hinweise zu einer Lösung, die mich beim Lesen wirklich gefesselt hat.

 

Freundschaft, Kameradschaft und Liebe – aber auch der Ernst auf der Intensivstation, der Umgang mit Patienten und das Problem der Wirtschaftlichkeit von Kliniken bringt die Autorin gekonnt in den unterhaltsamen Roman ein. Mit einer gewohnt lockeren Stimmung und einer schönen Bildsprache, die meine Fantasie anregt und das Erzählte vor meinem inneren Auge ablaufen ließ (ich liebe das!) verpackt Anne Barns Sozialkritisches, ohne dass es stört. Es ist eher ein sanfter Weckruf, sich selbst Gedanken um solche Dinge wie eine Patientenverfügung zu machen.

 

Ich mag den Roman, auch wenn mich das abrupte Ende enttäuscht hat. Gerne hätte ich noch mehr über Caro, die Menschen auf Juist und Max erfahren... irgendwie hinterlässt das „abgeschnittene“ Ende einen negativen Beigeschmack, so dass ich dem Roman – so gerne ich ihn gelesen und mich wunderbar unterhalten gefühlt habe – einen Stern Abzug geben muss.

 

Volle Punktzahl bekommt allerdings das Cover, welches genau mein Beuteschema ist :-) Und es hält, was es verspricht: es gibt tatsächlich am Ende einige Rezepte mit einem Winter-Fudge oder Stollenrezept, welche unbedingt in der nächsten Zeit ausprobiert werden müssen.

 

Fazit: ein wunderbarer Roman mit einem viel zu abrupten Ende. Ein stimmungsvoller Roman voller Gefühle, wo auch die Prise Sozialkritik nicht stört. Lesenswert für alle Inselroman-Fans!

 

 

 

 

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© Kathrin Nievelstein - Hinweis: Bei allen Berichten handelt es sich um die subjektive Meinung der Autorin. Diese stellen keine objektive Berichterstattung dar. Daher ohne Gewähr.