Die Farbe des Nordwinds

*Werbung / Rezensionsexemplar*

Roman von Klara Jahn, erschienen März 2021 im Heyne Verlag, Festeinband/gebundene Ausgabe, 400 Seiten, ISBN 978-3453273139

 

 

Herzlich willkommen in der kleinen Welt der Halligen. Klara Jahn nimmt uns mit auf eine spannend Reise mit 2 Generationen – eine Geschichte voller Tradition, Aufbruch, Veränderung und Rückbesinnung.

 

Den Rahmen bietet Ellen, die von jungen Jahren an sich für die Halligen und deren Geschichte begeistert. In ihrer Jugend lernt sie auf einer Hallig Liske kennen, die Tochter von Bauer Thijman, und fühlt zu ihr eine geschwisterliche Verbundenheit. Diese wird zerschnitten, als Ellen mit ihrer Mutter aufs Festland zurückgeht... und erst viele Jahre später wieder auf die Hallig zurückkehrt. Im Gepäck hat sie eine alte Chronik.

 

Diese Chronik führt uns ins „Damals“ zu einem Jungen, dessen Namen wir lange nicht erfahren... und der nach dem Tod seiner Eltern seinen Bruder Hendrik auf der Hallig zurücklässt um zu lernen. Er findet in Gretjen „diesen einen Mensch, der mein Mensch wurde“ (S. 76) und kehrt mit ihr auf die Hallig seiner Eltern zurück.

 

Beide Zeitebenen werden von der Autorin geschickt verknüpft. Ich fand – wie oft bei solchen Konstellationen – das anfängliche Hin und Her ein wenig irritierend, aber die Geschichte der beiden Protagonisten hat mich schnell gepackt und so habe ich das Buch sehr gerne in einem Rutsch durchgelesen. Nach und nach finden sich Parallelen, die den Wechsel zwischen den Zeitebenen fast logisch werden lassen.

 

Ich mag den nicht immer leicht zu lesenden Stil von Klara Jahn. Die verschachtelten – dadurch manchmal sehr langen – Sätze lassen einen aufmerksam bleiben und geben gleichzeitig viel Informationen. Sie schreibt anschaulich in Bildern, die sofort einen Film vor meinem inneren Auge entstehen lassen – ganz wunderbar!

 

„Pastor Daniel war ein kluger Mann. Er bedrängte mich nicht, kam am Abend mit der gleichen Frage, ging fort mit der gleichen Antwort. Er hatte Erfahrung damit, wie man den Butt fängt, jenen Fisch, der flink hinwegschießt, wenn man zu schnell zugreift. Steht man aber eine Weile bis zu den Knien im Wasser und hält die Hände seelenruhig hinein, als wolle man sie an einem warmen Sommertag abkühlen, schwimmt der Butt neugierig näher, und man muss nur blitzschnell die Finger um ihn schließen. Bis er bemerkt, wie ihm geschieht, liegt er schon zappelnd auf der Wiese.“ (Auszug S. 52)

 

Zweimal Fortgehen und Zurückkommen – zweimal die Suche nach dem Wunsch, die heimatlichen Wurzeln zu finden.

 

Der Roman bietet viel Wissenswertes rund um die alte Geschichte der Halligen und die neuen Entwicklungen rund um das Leben, den Tourismus und Naturschutz auf diesem besonderen Stück Erde. Klara Jahn hat es geschickt geschafft, Fiktion und Realtität zu verbinden und man merkt ihr die persönliche Verbundenheit zu einer Welt an, „die von keiner zarten, lieblichen, aber – wie ich finde – von einer herben und echten Schönheit ist.“ (Auszug aus einem Brief der Autorin an ihre LeserInnen)

 

Für mich ein Lesehighlight, welches ich allen historisch und Nordsee-Interessierten ans Herz legen möchte.

 

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© Kathrin Nievelstein

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