Sehnsucht nach St. Kilda

Roman von Isabel Morland, Taschenbuch erschienen November 2019 im Knaur Verlag, Kindle Ebook erschienen Oktober 2019, 400 Seiten, ISBN 978-3426524220

 

 

Die entlegenen schottischen Inseln haben die deutsche Autorin erneut zu einem Roman rund um die Landschaft und Bewohner der Hebriden inspiriert. So ist mit „Sehnsucht nach St. Kilda“ nun der dritte Roman (und laut Verlagsinfo leider der letzte dieser Reihe) entstanden und wurde von mir schon sehnlichst erwartet, da mich „Der Herzschlag der Steine“ schon sehr begeistert hat.

 

Dieses Mal begleiten wir Rachel und ihren Sohn Sam, die zu ihrer Großmutter Annie an die schottische Küste ziehen. Annie ist eine der letzten Bewohner St. Kildas, die im Herbst 1930 als Kind die Hebrideninsel verlassen haben und mit ihrer Familie aufs Festland gezogen ist. Und sie ist seitdem nie wieder in ihre alte Heimat zurückgekehrt. Nun bekommt Rachel ein Angebot, Mitarbeiter des National Trusts einige Wochen als Köchin auf der ansonsten unbewohnten Insel St. Kilda zu unterstützen... und diese Zeit wird das Leben der vom Schicksal gebeutelten jungen Frau nachhaltig ändern.

 

Isabel Morland hat ihren Roman in zwei Erzählstränge aufgeteilt: einerseits erfahren wir von der kleinen Annie 1929/1930 über das karge Leben auf St. Kilda und ihre Freundschaft mit Finlay, den sie nach der Evakuierung nicht wiedersieht; andererseits bewegen wir uns im modernen Leben der Enkelin Rachel, die als alleinerziehende Mutter in London keine Zukunft mehr sieht, zu ihrer Großmutter an die Küste zieht, von dort aus widerwillig einen gut bezahlten Job auf St. Kilda annimmt mit einem Versprechen, nach einer geheimnisvollen Schatztruhe zu suchen, welche ihre Großmutter kurz vor ihrem Abschied von der Insel auf dieser versteckt hat.

 

Hilfe findet sie bei dem Fotografen Ailic, der ihr seine Hilfe bei der Suche anbietet. Gemeinsam erkunden sie nach und nach die Schönheit und besonderen Plätze der Insel... und wir LeserInnen werden durch die bildhafte und treffende Sprache der Autorin gleich mitgenommen auf die Reise über dieses außergewöhnliche Land, welches als Archipel zweifaches Weltkulturerbe der UNESCO ist. Ja, die Autorin verbindet geschickt die wahre Geschichte rund um diesen „Schatz der Menschheit“ mit einer Geschichte, die es zu lesen lohnt.

 

Realität (die Evakuierung) und Fiktion (Rachels Geschichte) liegen nahe beieinander und machen diesen Roman erneut zu einem meiner Lieblingsbücher rund um Schottland. Man merkt der Autorin ihre Liebe zu den Äußeren Hebriden an; auch das fundierte Wissen lässt sie gekonnt in den Roman einfließen, ohne dass es den unterhaltsamen Lesefluss stört. Mich hat ihre Geschichte rund um Annie und Rachel neugierig auf St. Kilda gemacht und beim Stöbern nach weiteren Informationen habe ich eine tolle Website gefunden, die ich ausnahmsweise mal als Lesetipp ergänzend zu dem Roman empfehlen möchte: https://www.myhighlands.de/st-kilda-inselgruppe-rande-europas/

 

Sowohl auf dieser Website als auch im Buch bekommen wir durch Foto bzw. Zeichnungen einen Blick auf das einzige Dorf Hirta und die Insel gewährt. Die Autorin selbst „schenkt“ uns ihren persönlichen Blick auf St. Kilda durch das Cover, denn der Blick über die karge Landschaft wurde von ihr selbst fotografiert. Dies macht das Buch „rund“ und verdeutlicht auch, mit welchem feinfühligen Geschick Isabel Morland uns LeserInnen in ihre Geschichte mitnimmt.

 

Soso, eine Orange, sagte die alte Ruth, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt, nach nebenan in die Kammer zu gehen und eine Orange aus einer der Kisten zu holen. <...> Annie spürte einen Stich in ihrem Herzen. Flora tat ihr so leid. Es gab keine Orangen auf Hirta. Nirgendwo, nicht einmal im Pfarrhaus. Sie selbst hatte in ihrem ganzen Leben erst ein einziges Mal eine Orange gesehen. Die Männer von den Trawlern hatten vor langer Zeit welche dabeigehabt und an die Kinder im Dorf verschenkt. (Auszug S. 199)

 

Ihre Sprache kreiiert die passende Stimmung, man fühlt sich beim Lesen quasi in das Geschehen miteinbezogen. Ich liebe das :-) und daher werde ich „Sehnsucht nach St. Kilda“, wie auch die anderen beiden Romane dieser „Trilogie“ gerne wieder zur Hand nehmen und mit nach Schottland und auf die Äußeren Hebriden entführen lassen.

 

Meine Empfehlung an alle, die nicht nur Storys rund um England, Wales oder Irland lieben, sondern sich auch dem Charme Schottland und dieser einzigartigen Geschichte nicht entziehen können. Eine Leseempfehlung für Fans der modernen Geschichte, die sich gleichzeitig gerne mit fiktiven Elementen unterhalten lassen. Von mir ein begeistertes Daumen hoch und „Mòrang taing“, liebe Isabel Morland!

 

 

 

 

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© Kathrin Nievelstein - Hinweis: Bei allen Berichten handelt es sich um die subjektive Meinung der Autorin. Diese stellen keine objektive Berichterstattung dar. Daher ohne Gewähr.