Die Spur des Medaillons

Roman von Tania Schlie, als Taschenbuch bei MIRA Taschenbuch (mtb) im Dezember 2019 erschienen (bereits zurvor bei anderen Verlagen erschienen), Paperback/Taschenbuch, 464 Seiten, ISBN 978-3-7454-0047-3

 

 

Die junge Nina stellt in ihrem Geschäft in Berlin-Mitte besondere Schmuckstücke her, die auf die zukünftigen Besitzerinnen quasi perfekt zugeschnitten sind. Ein außergewöhnliches Medaillon allerdings schlummert fast vergessen in dem Tresor ihres Ladens: das Medaillon ihrer russischen Großmutter Natascha mit dem Bildnis eines unbekannten Mannes. Als eines Tages der Amerikaner Benjamin mit dem gleichen antiken Stück – allerdings mit dem Bild ihrer Großmutter darin - in ihren Laden kommt, fängt Nina an, nach der Geschichte der beiden Medaillons zu forschen.

 

Und heraus kommt eine wunderbare Geschichte auf 2 Zeitebenen, die mich nicht nur aufgrund der gut und flüssig lesbaren Sprache von Anfang an gefesselt hat. Die Autorin schafft es, sowohl die Geschichte von Großmutter Natascha zur Zeit der Russischen Revolution bis hin zu den Dreißigern in Paris im Wechsel mit der aktuellen Geschichte rund um Nina und Benjamin zu erzählen, ohne Verwirrung zu stiften. Manchmal war ich das ein oder andere Mal wohl versucht, das aktuelle zu überblättern, weil mich die „alte“ Geschichte mehr gepackt hat, was aber sicherlich an der Zeit, in der diese Geschichte spielt, und der Vielfalt der Themen, die angesprochen werden, liegt. Aber es machte auch Freude, das moderne Drama rund um die junge Berlinerin und den Amerikaner zu lesen.

 

Geschickt baut Tania Schlie Bilder vor meinem inneren Auge auf, die mich quasi in die Story reinziehen:

 

Die Fahrt mit der U-Bahn war nicht dazu angetan, ihre Melancholie zu vertreiben. Das warme Sommerwetter war endgültig vorbei, es hatte zu regnen begonnen, man sah die ersten Jacken und festen Schuhe. Die Berliner waren schlecht gelaunt, weil die Zeit der milden Nächte und Wochenenden im Freien bis zum nächsten Jahr vorüber war. Um Nina herum saßen missmutige Menschen, die verbittert die Tropfen aus ihren Regenschirmen schüttelten.“ (Auszug S. 256)

 

So manche Thematik scheint heute noch aktuell wie z.B. die starke Frau, welche sich im Laufe der Jahre und durch verschiedene Bekanntschaften emanzipiert und ihr Schicksal in die Hand nimmt, während die Männer in der Flüchtlingskrise an alten Werten festhalten und über das Vergangene debattieren... Ja, ich muss sagen, mich hat der Roman wirklich begeistert!

 

Übrigens: die Lösung des Rätsels rund um die beiden Medaillons findet man erst ganz zum Schluß und es mag kein Spoiler sein, wenn verraten wird – es ist eine wirkliche Überraschung ;)

 

Alles in allem eine wunderschöne Liebesgeschichte zweier Frauen in zwei Zeitebenen, die von Tania Schlie gekonnt in Szene gesetzt wurde und mich sehr gut unterhalten hat.

 

Nur das Cover finde ich austauschbar und daher wenig gelungen – zur Zeit findet man viele Cover mit „junger Frau schaut in Bildhintergrund“ in den Buchhandlungen... daher hätte ich wohl aufgrund des Bildes nicht zum Buch gegriffen, was aber schade gewesen wäre, denn dann wäre mir dieser wunderbare Roman entgangen...

 

 

 

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© Kathrin Nievelstein - Hinweis: Bei allen Berichten handelt es sich um die subjektive Meinung der Autorin. Diese stellen keine objektive Berichterstattung dar. Daher ohne Gewähr.