Ein Schotte kommt selten allein

*Werbung / Rezensionsexemplar*

Roman von Karin Müller, erschienen Mai 2020 im Penguin Verlag, Paperback/Taschenbuch, 480 Seiten, ISBN 978-3328104537

 

 

„Natürlich bin ich unter den Letzten, die zum Bus zurückgehetzt kommen. 'Schneller, meine Lieben. Bitte aufs Timing achten!' mahnt Gregory und winkt ungehalten mit Baveheart junior. Ich lege einen schnellen Sprint ein und überhole das Pärchen vor mir.“ (S. 117)

 

Janne liebt Schottland und Outlander... aber Busreisen sind für sie der Horror. Das wissen nur leider ihre Freundinnen nicht, denn sie überraschen die Journalistin zu ihrem 40. Geburtstag mit einer Reise nach Schottland – einer Busreise!

 

Und so beginnt eine äußerst humorvolle Reise durch das malerische Schottland... wobei die Protagonistin selbst weitgehend humorlos ist, aber wie die Autorin die Reise mit dem Bus, die wundervolle Landschaft und die klischeebehafteten Mitreisenden beschreibt, zeugt von viel Humor und macht Spaß zu lesen.

 

Natürlich darf der im Titel besagte Schotte auch nicht fehlen ;) Sein Name ist Alex und nun beginnt eine Achterfahrt der Gefühle – für Janne, aber auch für Alex. Mit ihm zusammen bemerkt man als LeserIn bei der jungen Frau eine Veränderung: sie lehnt nicht mehr alles ab, sondern kann sich einen distanzierten Ausblick auf den Tourismus gönnen... gleichzeitig begibt sie sich in einen inneren Zwiespalt ihrer Gefühle und die Aufarbeitung ihrer Vergangenheit.

 

All dies wirkt leider teilweise etwas überladen, was mich manchmal dazu animiert hat, die Textpassagen zu überfliegen. Überladen wirkt leider auch der Textblock an sich, denn die Schrift ist klein und hat wenig Absätze. So empfand ich das Lesen zusätzlich zum Inhalt auch grafisch gesehen anstrengend. Schade...

 

Too much – das dachte ich auch beim Anblick des Covers: Die Collage von Highland Rind mit Schottenmütze, Dudelsack, Schaaf, Cottage, Bus und Landschaft mag vermutlich lustig wirken; auf mich wirkte das eher wie ein Durcheinander und eben... too much!

 

Sprachlich jongliert Karin Müller gekonnt mit Worten, die vor meinem inneren Auge immer wieder Bilder entstehen lassen und mich insgesamt auch mitnehmen.

 

Alles in allem bin ich wirklich zwiegespalten, denn die Idee, einen Touri-Bustour-Roman zu schreiben, finde ich ganz wunderbar! Die versteckte Kritik am Verhalten so manches „Besuchers“ ohne Respekt vor der Geschichte und Vergangenheit Schottlands hat mir ebenso gefallen (und mich an so manche Reise nach Wales erinnert) wie die Geschichte rund um Janne und Alex.

 

Allerdings finde ich Janne ziemlich unsympathisch – und das ändert sich bis zum Schluss hin nur wenig. Ob es an dem übertrieben eigenbrötlerichen oder kritischen Verhalten der Protagonistin liegt, der die humorvollen Passagen einfach zu sehr überdeckt und die Idee der Geschichte meines Erachtens zu wenig strahlen lässt?

 

Ja, ich liebe die Idee und die Geschichte, aber die Umsetzung stimmt mich wenig froh... sehr schade, denn eigentlich ist „Ein Schotte kommt selten allein“ ein toller Roman, der mir inhaltlich gut im Gedächtnis geblieben ist und den ich Schottland-Romanfans gerne ans Herz legen möchte.

 

 

 

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© Kathrin Nievelstein

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