Riviera - Saga in 2 Bänden

*Werbung / Rezensionsexemplar*

 

 

Band 1: Der Traum vom Meer

Roman von Julia Kröhn, erschienen April 2020 im Blanvalet Verlag, Paperback/Taschenbuch, 464 Seiten, ISBN 978-3734108082

 

Ich finde, wir sollten ans Meer fahren. Das Meer macht den Geist frei, dort kommen uns gewiss jede Menge neue Ideen...“ (Auszug S. 57)

 

Arthur Sommer ist Inhaber des alteingessenen Reisebureaus Sommer in Frankfurt. Nach dem Tod seiner Mutter lernt er die junge Paola kennen, welche ihn und seine Tochter Salome überredet, nicht nur seinen Kunden eine Reise an die italienische Riviera zu verkaufen, sondern selbst nach San Remo zu fahren. Im Sommer! Was für uns normal ist, war Anfang des 20. Jahrhunderts noch verpönt, denn die Hotels dort hatten zu dieser Zeit geschlossen und man war der Meinung, die Sommerhitze sei gefährlich, das Salzwasser förderte Skorbut und schädige das Zahnfleisch. Baden im Meerwasser? Verpönt! Doch lässt sich Arthur von seiner jungen zukünftigen Frau zu dieser Reise überreden und für Salome, die bislang weder vom Meer gehört, geschweige denn es gesehen hat, beginnt eine Zeit voller neuer Erfahrungen. Der Start im neuen Urlaubsgebiet ist nicht leicht, aber nach einem Badeunfall lernt sie die junge Ornella kennen und eine tiefe Freundschaft beginnt. Die beiden Mädchen leben quasi in ihrer eigenen Welt und geben sich Halt beim Erwachsenwerden.

 

Nach und nach baut die reisebegeisterte Autorin viele interessante Figuren in ihr fast opulentes Werk ein, ohne daß man beim Lesen der einzelnen Schicksalsgeschichten den Überblick verliert. Dies zeugt von hoher Schreibkunst, die vielleicht sprachlich nicht immer leicht zu lesen ist, aber mich immer inhaltlich gefesselt hat. Julia Kröhn packt wichtige politische Aspekte gekonnt in persönliche Einzelschicksale, scheut auch nicht vor Untreue, politischem Fanatismus oder Selbstmord zurück... aber über allem steht die unerschütterliche Freundschaft der beiden Mädchen, die scheinbar unzertrennlich sind.

 

Ich gebe zu: der Einstieg in den Roman fiel mir doch recht schwer, da ich insbesondere mit der „dreimal sterbenden“ Großmutter nicht viel anfangen konnte. Aber es hat sich gelohnt, das Buch nicht beiseite zu legen, denn je mehr ich in die Geschichte reinkam, desto mehr zog sie mich in ihren Bann. Anders als in „Das Modehaus – Töchter einer neuen Zeit“ (erschienen 2019 im Blanvalet Verlag) war die Vielschichtigkeit deutlich besser zu lesen und ich konnte den Roman schier nicht aus der Hand legen. Wie schon beim letzten Roman packt die Autorin viel in ihre Geschichte rein, arbeitet auch Historisches gekonnt auf und hinterlässt Eindruck.

 

Ich hatte das Glück, gleich darauf Band 2 lesen zu können und kann nur jedem empfehlen, sich beiden Bände zu kaufen und sie hintereinander weg zu lesen... wenn einem die Geschichte rund um Salome und Ornella einmal in ihren Bann gezogen hat, lässt sie einen nicht mehr so schnell los ;)

 

 

 

Und so möchte ich Band 2 auch gleich anschließend vorstellen – für mich gehören beide Bücher untrennbar zusammen:

 

 

Band 2: Der Weg in die Freiheit

Roman von Julia Kröhn, erschienen Juni 2020 im Blanvalet Verlag, Paperback/Taschenbuch, 432 Seiten, ISBN 978-3734108099

 

Der Roman, der zwar grundsätzlich für sich alleine gelesen werden kann, weil er mit einem ausführlichen Kapitel „Was bisher geschah...“ beginnt, startet im Jahre 1938 und schließt nahtlos an den ersten Band an. Jüdische Familien machten augenscheinlich Urlaub in Italien, in dem zwar der Faschismus, aber bis zu dieser Zeit noch nicht der Antisemitismus herrscht. Dabei sind sie auf der Flucht und Suche nach einem Versteck vor der Deportation. Hilfe bekommen sie von Salome, die hinter dem Rücken ihres Vaters, der mit den Nationalsozialisten zusammenarbeitet, in dem väterlichen Reisebüro in Frankfurt entsprechende Reisen an die Riviera und später auch weiter nach Frankreich organisiert. Wir begegnen auch dem französischen Unternehmersohn Felix wieder, der nicht nur in Salomes Leben eine wichtige Rolle spielt, sondern auch aktiv an der Rettung von jüdischen Flüchtlingen beteiligt ist.

 

Besonders eindrücklich erzählt uns hier die Autorin von unglaublichen, sich bei mir tief eingeprägten Situationen wie

 

Ich weiß, es ist schrecklich“, sagte der Arzt leise. „Dennoch muss man dafür dankbar sein, daß Amerika bereit ist, insgesamt tausend Kinder aufzunehmen. Lange haben sie sich geweigert, aber die Berichte über die Deportationen haben die Menschen dort aufgeschreckt. Und gottlob hat der Polizeipräfekt zugestimmt, dass wenigstens die Kinder von der Deportaion verschont bleiben... Diese Kinder sind die Zukunft, diese Kinder sind das Leben, sie sind der Lichtschimmer in der Finsternis“ (Auszug S. 238)

 

Ich bin ehrlich, obwohl ich schon vieles über die damalige Zeit gelesen, Filme anschaut und mit Zeitzeugen gesprochen habe, wusste ich nichts von einer solchen Aufnahme der Kinder durch die USA: die Eltern mussten sich am Tag ihrer eigenen Deportation in die Lager entscheiden, ob sie sich von ihren Kindern trennen und nachdem das Einverständnis ausgesprochen war, wurde es sofort vollzogen... puh!

 

Ja, der zweite Band der Riviera-Saga ist düster und schwer. Das hat vor allem mit der Zeit zu tun, in welcher der Roman spielt, aber auch mit der eindrücklichen Sprache, welche die Autorin verwendet und die immer wieder Bilder von meinem inneren Auge entstehen lässt, die ich so schnell nicht vergessen werde... Bilder, die übrigens manchmal eine unglaubliche Aktualität haben.

 

Zu dieser politischen Tiefgründigkeit kommt dann noch die menschliche: neben der Beziehung von Salome und Felix, bekommen wir neue Eindrücke zu der in die Brüche gegangene Freundschaft zwischen Ornella und Salome. Hier baut die Autorin quasi einen Gegenpol auf, der wirklich gelungen ist und einen manchmal durchatmen lässt... scheinbar ;)

 

Alles in allem ist die Reihe absolut empfehlenswert und ausnahmsweise möchte ich raten, beiden Bände in einem Rutsch und richtiger Reihenfolge zu lesen. Die Riviera-Saga ist eindrücklich, hervorragend geschrieben, behält trotz vieler „Erzählfäden“ den Überblick und man kommt als aufmerksamer Leser gut mit. Der Tenor, Grenzen zu überwinden, offen für Neues zu sein, die Freundschaft zu pflegen und vor allem den Frieden zu wahren, kommt deutlich zum Vorschein und macht für mich diese Reihe zu einer ganz besonderen, die lange nachklingt.

 

 

 

 

 

 

 

 

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© Kathrin Nievelstein

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