Die Seebadvilla

*Werbung / Rezensionsexemplar*

Roman von Kathleen Freitag, erschienen März 2020 im HarperCollins Verlag, Paperback, 352 Seiten, ISBN 978-3959673921

 

„Der Balkon war am Giebel der Villa angebracht, weshalb man zur Linken einen Blick auf das Meer erhaschen und zur Rechten den bepflanzten Garten einsehen konnte. Direkt vor dem Balkon stand die große Buch, die an Sonnenagen auch hier oben ausreichend Schatten spendete.“ (Auszug S. 70)

 

Die 20jährige Henni lebt mit ihrer 15jährigen Schwester Lisbeth und Mutter Grete auf Usedom und betreibt in der Familienvilla „Ostseeperle“ eine kleinbürgerliche Pension. Vater Gustav gilt als verschollen, dennoch geht Grete so oft es geht an den Bahnhof und wartet auf ihn. Vergebens...

 

Die ruhige Henni lernt auf einer Radtour Kurt kennen, der am liebsten Künstler werden möchte, aber bei seinem Onkel arbeitet, damit er seine Mutter finanziell unterstützen kann. Leider hat es der Onkel auf die Villa der drei Frauen abgesehen und so passiert es, daß im Zuge der Enteignungswelle 1953 die beiden Schwestern und ihre Mutter verhaftet und enteignet werden – Onkel Ebert ist am Ziel, denn als Parteimitglied reißt er sich die Villa unter den Nagel.

 

Parallel dazu erleben wir die junge Caroline, die in den Sachen ihrer Mutter Henriette ein Familienfoto und ein Anwaltsschreiben findet, in dem es um die Rückübereignung einer Villa auf Usedom geht. Da sie von ihrer Mutter nichts darüber erfährt, macht sie sich kurzerhand alleine auf die Suche nach ihrer Vergangenheit...

 

Die beiden Zeitstränge sind miteinander verwoben. Aus der Sicht von Grete, Lisbeth, Henni und auch Caroline und Henriette erfahren wir abwechselnd, was gerade geschieht. Anfangs wirkte das auf mich etwas verwirrend – aber zum Ende hin wird das Ganze „rund“.

 

Gekonnt verbindet die deutsche Autorin, welche selbst in der ehemaligen DDR geboren wurde, die neuere deutsch-deutsche Geschichte, die mir durch die glaubwürdigen Protagonisten zeitweise wirklich ans Herz ging: irgendwie kennen wir alle die Geschichte des dritten Reichs, aber noch viel zu wenig über die Zeit des geteilten Deutschlands danach. So musste ich erst mal nachlesen, was es mit der beschriebenen „Aktion Rose“ (der großen Enteignungswelle an der Ostseeküste) so auf sich hatte.

 

Die Stimmung im gesamten Roman wirkt auf mich getragen, fast ein wenig schwermütig – ähnlich wie die Protagonistin Henni es ausstrahlt. Und daher ist „Die Seebadvilla“ meines Erachtens auch kein leichter Sommerroman... aber auf jeden Fall lesenswert! Ich könnte mir gut daraus ein kleines Theater- oder Fernsehstück vorstellen; da passt es doch, daß Kathleen Freitag schon das ein oder andere Drehbuch geschrieben hat ;)

 

Alles in allem ein wirklich guter Roman, der lange nachhallt. Obwohl er „nur“ rund 350 Seiten hat, habe ich mehrere Tage gelesen – das liegt nicht nur am Thema, sondern auch am Schriftbild, welches recht klein ist.

 

 

 

 

 

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© Kathrin Nievelstein

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