Kindertransporte waren eine Chance und meine Eltern ergriffen sie

(Zitat von Bob Kirk aus dem Dokumentarfilm „Rettung der Zehntausend: Die Kindertransporte“, ZDF History)

Nach den Novemberprogromen – bekannt als die sogenannte Kristallnacht vom 09. auf den 10.11.1938 – entstanden in Zusammenarbeit von britischen und deutschen Quäkern (die Quäker sind eine religiöse Weltanschauung) und britisch- bzw. deutsch-jüdischen Kinderhilfsvereinen die sogenannten Kindertransporte. Kinder jüdischer Familien, sogar ganze Schulklassen wurden von Deutschland und Österreich über den holländischen Hafen Hoek van Holland bis nach Harwich nahe London gebracht – ohne ihre Eltern. Wer Glück hatte, hatte seine Schwester oder seinen Bruder dabei... zumeist reisten die Kinder aber ganz alleine in das für sie unbekannte Land mit der fremden Sprache.

 

Erwartet wurden sie in vielen Fällen von Pflegefamilien, aber so manches Kind wurde auch erst mal in ein Aufnahmezentrum wie Dovercourt gebracht. Von dort aus wurden für alle wartenden Kinder Pflegefamilien gesucht. Manche Kinder hatten Glück und kamen zu verständnisvollen „Eltern auf Zeit“, die sich mit den trauernden Kindern auseinandersetzten. Aber es gab auch Kinder, die als billige Arbeitskraft eingesetzt wurden.

 

Zu Beginn des 2. Weltkriegs kam es zur sogenannten Landverschickung: die Kinder wurden aus ihren – zumeist im Londoner Umland lebenden – Pflegefamilien herausgenommen und in ländliche Gebiete zu neuen Familien gebracht. Dies war innerhalb kürzester Zeit ein weiterer Verlust für die verletzten Kinderseelen, die gerade anfingen, sich einzuleben...

 

Diesem Thema der Kindertransporte nimmt sich die Autorin Beate Rösler anschaulich in Form ihres Protagonisten Moritz „Mo“ an, den seine Mutter Helene Anfang 1939 mit dem Zug und Schiff nach England schickt. In ihrem Roman „Helenes Versprechen“ (erschienen Januar 2021 im atb Verlag) beschreibt die deutsche Autorin das Leben der jüdischen Kinderärztin Helene Bornstein in Frankfurt am Main. Parallel dazu begleiten wir nach Kriegsende die Hauptprotagonistin in die USA, wo sie neben ihrer Schwestern auch Moritz wieder trifft. Ihr Sohn hatte das Glück, von Helenes jüngerer Schwester Marlis aus seiner Londoner Pflegefamilie abgeholt und nach Amerika gebracht worden zu sein.

 

Geschickt fädelt Beate Rösler das Leben vor, während und nach Kriegsbeginn ein in die neue Situation der Emigration nach Kriegsende und das sich Zurechtfinden im neuen, ungewohnten Leben. Erwartungen werden an die verloren geglaubte Familie und insbesondere an den mittlerweile fast erwachsenen Sohn gerichtet. Gleichzeitig muss Helene Bornstein aber auch die Vergangenheit verarbeiten und für sich einen lebenswerten Weg in der „neuen Welt“ finden.

 

Es gab viele Kinder, die nach dem Krieg nicht das Glück hatten, ihre Eltern wiederzufinden. Während ihrer Zeit in England warteten sie auf Briefe aus der alten Heimat. Als diese immer weniger wurden und schließlich ganz ausblieben, war „Das Schrecklichste (ist), nicht zu wissen...“ (Zitat von Ann Kirk aus dem Dokumentarfilm „ Rettung der Zehntausend: Die Kindertransporte“, ZDF History)

 

 

Einige der damaligen „Kinder der Kindertransporte“ engagieren sich bis heute noch in der Aufklärung rund um die Zeit des Zweiten Weltkriegs, denn obwohl es stimmt: „The future is the future, the past ist the past“ (Zitat von Ann Kirk, siehe oben) - dennoch werden die Zeitzeugen immer weniger, das Vergessen ist greifbar. Das Wissen muss aber für uns und die Generationen nach uns erhalten bleiben, damit sich solche grausamen Zustände nie wiederholen.

 

Daher lege ich sowohl den Roman „Helenes Versprechen“ als auch den eindrucksvollen Dokumentarfilm mit Zeitzeugen des Kindertransports „Rettung der Zehntausend: Die Kindertransporte“ ZDF History (Link führt auf eine externe Seite) jedem Interessierten ans Herz.

 

 

Ihr wollt alle Blogtour-Berichte lesen? Bitteschön:

 

01.02.2021: Blog Svanvithe zum Thema Frauen & Studium

02.02.2021: Blog Kathrins Home zum Thema Kindertransporte nach England

 

 

Idee, Organisation und Banner von Netzwerk Agentur Bookmark - Vielen Dank!

 

 

 

Der Roman "Helenes Versprechen"

 

 

Der Dokumentarfilm "Rettung der Zehntausend: Die Kindertransporte" (Link führt auf die externe Seite ZDF History)

 

 

 

 

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© Kathrin Nievelstein

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